REVIEW MEINE OHREN
April 2006
PLACEBO-MEDS-CD+DVD
Jupp, ich weiß nicht, was die DeLuxe-Editionen in Buchform sollen (auch bei U2 gab’s so eine für die „How to dismantle an atomic bomb“), zumal sie um einiges teurer als die Editionen in den Jewel-Cases sind. Aber wenn schon, dann sollte so ein Buch schon etwas mehr als ein paar nichtssagende Fotos enthalten, die man sich maximal einmal ansieht. Dafür gibt’s in der Version aber eine Bonus-DVD mit massig Extras, die den Titel auch verdienen. Da wären Demos (darunter einen Song, der es nicht auf die Platte geschafft hat), ein weiterer Bonus-Song, Livevideos, eine gute Doku, und – sehr schön - alle Songs instrumental mit Texten für den Karaoke-Nachwuchs sowie eine Photogalerie. Endlich mal eine Bonus-DVD, die ihr Geld auch wirklich voll und ganz wert ist! Und das sind nur die Extras zu einem wirklich grandiosen Album, das derart vollgestopft mit großartigen Songs ist, dass ich die eher schwach ausgefallene Morrissey gerne wieder in die Ecke stelle. „Infra-Red“ hat eine der wunderschönsten Refrainmelodien der Popgeschichte und es gibt auf der Platte eigentlich keinen einzigen Füller. Meds ist sehr abwechslungsreich, reif und großartig ausgefallen, da stört es auch nicht, wenn bei einem Stück ein gewisser Michael Stipes auftaucht, der eigentlich gar nicht auffällt. Sehr, sehr genial! Wer kann, der sollte sich die Buchversion mit der Bonus-DVD zulegen, denn die lohnt sich in der Tat. Gibt es übrigens auch ohne Buch als CD+DVD! (Virgin)

I LOVE YOU, BUT I’VE CHOSEN DARKNESS-CD
Wow, was für eine Mogelpackung hinter all dem Hype. Ok, die Produktion stammt von Paul Barker, bekannt und beliebt von Ministry, aber der kann hier auch nicht mehr viel retten. Uninspirierter Retrosound mit Riffs hinlänglich gehörter alter englischer Bands aus Manchester, ohne deren Schwermut oder ihre Güte zu erreichen. Keine Hits, keine Songs, die irgendwie hängenbleiben ... das läuft durch, lässt einen völlig kalt und unberührt. Ähnlich wie Zähneputzen.

CRETINS-SAMEN IM DARM-12“
Dankbare Wiederveröffentlichung der Kult-7“ (eine der wenigen Platten, die den Namen auch verdient) mit drei Live-Bonus-Tracks auf der B-Seite. Schön, wenn ein Label die örtliche Punkgeschichte aufarbeitet und alte, längst vergriffene Schätze wieder zugänglich macht, bevor ein geldgeiler Bootlegger zuschlägt. Sieht aus wie das Original, ist aber größer und hat drei Songs mehr drauf. Merkwürdig, dass eine Band wie die Cretins sich erst jetzt zu ihrer ersten LP aufraffen können, die da kommen wird, und beim Bonus-Material auf krachige Livesongs zurückgegriffen wurde, obwohl von der Band eine ganze Kassette voll mit unveröffentlichtem Material existiert, das zumindest in Teilen weit besser als die drei Livesongs ist. Trotzdem allemal besser als 80 bis 100 Euro für die Original-7“ ausgeben zu müssen oder – wie in meinem Fall – eine vinylschonende Anschaffung. (Re-Force)

TOREROS AFTER OLÉ-POROM POM PERO-2x7“
Lange überfällige Wiederveröffentlichung einer der besten spanischen Punkpatten überhaupt. Ursprünglich als Mini-LP erschienene Scheibe, die schon damals bei der Veröffentlichung kaum zu bekommen war und als Original heute nur für Schweinepreise den Besitzer wechselt. Schönes Klappcover, Original-Artwork und sieben angepisste, auf den Punkt gebrachte Punkrock-Kracher, die eine zeitlose Würde besitzen. Ich wünsche mir jetzt nur noch, dass endlich mal jemand Erbarmen zeigt und die zwei Demos, die dieser Platte ursprünglich voraus gingen (dieselben Songs wie auf dieser Doppel-EP, aber noch eine Spur roher und aggressiver), auf legalem Weg als CD unters Volk bringt. (Munster)

MORRISSEY-RINGLEADER OF THE TORMENTOR-CD+DVD
Wo das alles produziert wurde und wer mitgewirkt hat, das kann man sonstwo und überall nachlesen, viel Spaß. Dass das Drumherum aber noch keine Garantie für eine wirklich gute Platte ist, das beweist „Ringleader“ eindrucksvoll wie nachhaltig. Wunderbare Verpackung mit Innenhülle, die wirklich edel aussieht, aber eines der schwächsten MOZ-Releases aller Zeiten beherbergt, wären da nicht solche Totalausfälle wie „Maladjusted“, die den letzten Platz für immer und ewig belegen. Die Bonus-DVD ist jämmerlich und das Video zum besten Song des Albums „You have killed me“, das sich durch seine wirklich hundsgemeine Refrainmelodie in das Gehirn einfrisst, ist einfach nur uninspiriert. Hat gewolltermaßen etwas von einem Auftritt bei der ZDF-Hitparade, nur gibt es die Aufnahmen dort umsonst. Die Behind-the-scenes-Versionen desselben und eines weiteren Videos machen die DVD nicht besser, außerdem ist sie dann auch schon wieder vorbei. Braucht also keine Sau, und „Bonus“ ist etwas, wenn es das umsonst dazu gibt, und nicht, wenn man extra dafür zahlt. Die Platte klingt gut, hat aber bis auf drei oder vier herausstechende Songs keine weiteren Hits und wenig von den kleinen Gemeinheiten, für die man den alten Misantrophen so gern hat. Ungewohnt zahm und persönlich ist das Ganze, seltsam uninspiriert, so als hätten MOZ und Band noch einige Reste vom letzten Album herumliegen gehabt, die es damals (aus gutem Grund) nicht auf die Scheibe geschafft haben. War es bei „You are the quarry“ nur ein Song, bei dem er gesanglich durch das Stück „gestolpert“ ist und sich Strophe für Strophe vorgetastet hat, haben wir hier gleich mehrere davon, vielen Dank. Dummerweise öffnet sich mir die Platte auch nach dem vierten Hördurchgang nicht, was zur Konsequenz hat, dass ich mir die drei bis vier guten Songs aufnehmen und „Ringleader“ für lange Zeit in den Schrank verbannen werde. Meine Güte, bei so einer Platte will ich die Single B-Seiten gar nicht erst hören. Wer aus dem letzten Release etwas gelernt hat, der wartet ohnehin darauf, dass diese CD in einem halben Jahr als Sonderedition mit allen bis dahin erschienenen B-Seiten nochmals aufgelegt wird. Auch wenn die meisten Reviews in den Magazinen hierzu positiv sein werden, darf man nicht vergessen, warum das so ist. Außer Morrissey gibt es in dieser Gewichtsklasse einfach niemanden, der ihm auch nur annähernd in das Wasser pinkeln könnte. Damit ist er so unantastbar, so unkritisierbar geworden, wie ein Frank Sinatra, eine Cher oder ein Tom Jones, aber auch mindestens so belanglos. Für jemanden, der Morrissey wegen Alben wie „Viva hate“ oder „Your Arsenal“ liebt, ist diese Platte einfach nur eine allzu seichte Enttäuschung, wenn auch auf hohem Niveau. (Attack)

2ND DISTRICT-YOU’RE YOUNG & DISORDERLY-7“
Ähm, ja ... 77er Punk mit leichtem Glam-Einschlag. Netter kleiner Hit auf der A-Seite, „19th soldier“ ist ebenfalls eine kleine 77er Perle, nur das eher maue Stones-Cover am Ende mit dem Honky Tonk-Sound hätte man problemlos weglassen können. 2006 sind Coverversionen alter Stones-Songs irgendwie altbacken und sowas von überflüssig, wie ich finde. Keine schlechte EP, wenn man mal von der von Haus aus knusprigen Pressqualität absieht. Klingt teilweise so, als hätte jemand die Reste einer Zwiebackpackung in die Rillen gekippt. (Squoodge Records)

FATALS-LIVE AT WMFU-7“
Die lärmenden Franzosen stellen unter Beweis, dass sie ihren krachigen Sound auch unter regulären Studiobedingungen bestens hinbekommen. Pure Hochfrequenznoiseattacke aus der hintersten Garagenecke ... derzeit ganz allein auf weiter Flur und damit die Könige ihrer eigenen Liga. Fünf Songs, die allesamt bereits in anderer Form veröffentlicht worden sind, quasi eine Live-7“ vor eingeladenem kleinem Publikum. Kommt in einem schlichten weißen Papiersleeve und ist wohl, wie alles von dieser Band, innerhalb kürzester Zeit ein gesuchtes Kleinod. (Profêt Records)

HATEPINKS-IKEA KITCHEN-7“
Schnieke Sache, 3D-Cover inklusive Brille. Hübsch verpackte 4-Track 7“ der Franzosen, die sich einer nervöseren Form des 77er Punks verschrieben haben. Auch wenn „Deine Mutter die Pute“ keinen großen Sinn ergibt (ich vermute mal, da steckt das Wort „putain“ dahinter), sind die zwei eigenen Songs, das halbe Les Olivensteins- und das wirklich gelungene Grauzone-Cover (natürlich „Eisbär“, leider, möchte man schon fast sagen, denn warum covert niemand „Moskau“ oder „Marmelade und Himbeereis“) mit dem Coverartwork eine eindeutige Empfehlung in die richtige Richtung! Sehr feine und vor allem sehr produktive Band, kaufen! (Squoodge Records)

FITNESS-NEUROSENRODEO-CD
Hektischer, hippeliger Sound, der mir nicht an jedem Tag gefällt. Straightere Party Dikator, respektive Chung ohne Elektronik können ebenso als Referenz herhalten, wie die erste (und NUR die) Surrogat-LP. Zackig und eckig gespielter Noiserockcore mit eindeutigen Stärken in der Livedarbietung. Würde sagen, dass diese Band auf einer Bühne eindeutig rockt! Unausgeschlafen oder mit einem leichten Kater im Kopf geht mir die CD ziemlich auf den Zeiger, ebenso bei einer Autofahrt am Montagmorgen (getestet), wenn alle anderen noch mit dem Kopf im Wochenende sind. Aber entspannt und vorbereitet ist das eine sehr spannende Sache. Nicht zu empfehlen für Bügelarbeiten, denn Falten sind hier vorprogrammiert. Live ansehen, denn ebenso wie bei Chung ist die optische Darbietung exakt das, was auf Platte fehlt. (a3nalin)

BLIGHT-DETROIT-CD
Wiederveröffentlichung einer ursprünglich auf 1000 Exemplare limitierten 6-Song 7“, die, wenn man es genau nimmt, auch in Vergessenheit hätte geraten können, ohne dass jemandem großartig etwas gefehlt hätte. Kaputter Noise-Hardcore mit Ex-Fix-Mitgliedern und Tesco Vee, wie ihn Flipper oder die Drunks with Guns wesentlich besser und zudem glaubwürdiger gespielt haben. Zu den ursprünglichen Songs gibt es noch unveröffentlichte Stücke, Demos und ein Liveset, das qualitativ in mittleren bis unteren Bootlegregionen liegt. So überflüssig wie 90% der Reviews auf Amazon, haha. (Touch and Go)

REATARDS-PLASTIC SURGERY-7“
Hmmmm, sehr schön! Retro bis zum Anschlag, aber gut. Würde mal sagen, Anfang der 80er angesiedelter US-Früh-Hardcorepunk, angry, snotty und merkwürdigerweise extrem hinter der Gitarre hergezogen, besonders deutlich bei „Human race“, bei dem die Gitarre allen anderen deutlich einen Tick voraus ist. Verzerrter Gesang, eine herrlich erfrischende Fuck You-Attitüde, einfach klasse, solange man die Jungs nicht als Nachbarn hat. Genau der Mittelfinger, den die Dwarves seit langem eingefahren haben! Ich erwarte kurze, wilde Shows mit umgeworfenem Schlagzeug, Gitarren, die in die Verstärker gerammt werden und wüste Schlägereien mit dem Publikum, das sich zu nahe an die Band gewagt hat, alles andere wäre ein ganz klein wenig enttäuschend! Klares Vinyl, vier Songs, davon drei Hits, eine eindeutige Haltung, was will man mehr? (Shattered Records)

WHITE FLAG-PIANGI CON ME-10“
Die gibt’s ja auch noch, die Jungs. Schweinisch auf 420 Exemplare limitierte 10“ aus Italien, mit acht wirklich wunderbaren Pop-Punksongs, denn da sind White Flag ja schon seit Jahren angelangt. Bin mir nicht wirklich sicher, ob die Titelangaben so korrekt sind, denn das zweite Stück auf der B-Seite kommt einem so merkwürdig bekannt vor (hehe), allerdings unter einem ganz anderen Namen. Auf alle Fälle nicht schlecht, denn die Burschen sind lange genug unterwegs, und sie haben ihren merkwürdigen Humor zum Glück nicht verloren. Feine Sache mit einem von Prohias inspirierten „Spion und Spion“-Cover, das sich an ein anderes Plattencover der Band mit Alfred E. Neumann nahtlos anschließt. Hey, hey, sechs der acht Stücke auf diesen Stück Vinyl sind wirklich großartig! Gekonnte Melodien, schmissige Refrains und eine Frische, die man heute viel zu selten  antrifft. Eine gewisse Nähe zum Bubblegumpunk der Ramones lässt sich definitiv nicht verleugnen. (RARO! Records)

CIACULOS-HEY LITTLE GIRL-7“
Die erste Yakisakana 7“, die mich merkwürdig unberührt lässt. „Walk on“ ist bis auf den Text ein 1:1 Rip Off eines hinlänglich bekannten Stücks, mit exakt demselben Gitarrenriff und Mix. Und die A-Seite ... nun, dasselbe Gitarrenriff nochmal ... keine Ahnung was das soll. Völlig überflüssige Single mit zwei Coverversionen, die auch noch ähnlich klingen, was für ein Blödsinn! (Yakisakana)

R.A.M.B.O.-BRING IT!-LP+DVD
Yeeeees, Feuer frei! Herrlich fetter Sound, rasend schnell gespielter Hardcore, wie ihn His Hero is Gone und mit Abstrichen Tragedy spielen bzw. gespielt haben. Die Songs haben Struktur und ballern nicht nur einfach durch die Boxen. Kurze Melodieansätze, sowie kurze Moshparts heben R.A.M.B.O. weit aus dem Gros der aktuellen Hardcorebands heraus. Zum Gelingen trägt eindeutig die exzellente und sehr satte Produktion ihren Teil bei. Die Gratis-DVD ist in der Tat mal eine, denn die LP kostet mit der DVD nicht mehr Geld als eine normale Platte. Auf dem Silberling gibt es Impressionen der letzten Euro-Tour, einer von Down Under und einige Livevideos aus Winkeln dieser Erde, in denen man eigentlich keine wirklich lebendige D.I.Y.-Szene vermuten würde. Und trotzdem spielen die Jungs in Malaysia vor einem total verrückten übervollen Haus. Soundtechnisch kein Leckerbissen, aber alleine zu sehen, was dort am Arsch der Welt auf den Gigs abgeht, ist allein den Kauf dieser Platte wert. Einen echten Kracher für die Ohren und dazu auch noch was für die Augen! Hardcore, wie er sein sollte, wild, genau auf die Zwölf und rasend schnell!!! Grandios, zumal es die Wartezeit auf die nächste Tragedy erheblich erleichtert! Das nenne ich Value für Kleingeld! (Havoc)

DEEP WOUND-SAME-LP
Offizieller amtlicher Rerelease aller jemals offiziell erschienenen Songs dieser kurzlebigen, aber dafür umso legendäreren Band aus Boston. Da wären alle Tracks der im Original unerschwinglichen 7“, die Tracks des vergleichsweise bezahlbaren „Band that could be good“-Samplers und das 82er-Demo. Gab es alles schon auf drei verschiedenen Bootlegs, aber so kompakt auf einer Platte und dazu offiziell ist das Ganze natürlich noch eine Spur besser, auch wenn hier eindeutig von Platte gemastert wurde. Der Dinosaur Jr.-Vorläufer prügelt seine Aggressionen mit voller Wucht durch die Boxen, effektiv und mit einer Wildheit, die heute kaum noch eine Band an den Tag legt. Die A-Seite mit den Studio-Tracks belegt deutlich, wie Hardcore in den frühern 80ern problemlos ohne jeglichen Metaleinfluss auskam und mit einer Wildheit umgesetzt wurde, die den Bands heute größtenteils abgeht. Die Demoseite klingt so wie die Tapes aus den Übungsräumen klangen und weltweit mit schwitzenden Händen getauscht wurden (meine 10. Kopie rauschte wie ein Bach und war am Ende abgeschnitten). Echte Hardcoregeschichte auf hübsch buntem Vinyl. (Damaged Goods)

SCHROTTGRENZE-CHÂTEAU SCHROTTGRENZE-2xLP
Wir dürfen gespannt sein, ob sich Schrottgrenze dank Majordeal in den Herzen der Jugendmasse werden etablieren können. Zu gönnen ist es ihnen, denn wenn jemand sich kontinuierlich weiterentwickelt hat, dann ist es diese Band, die unzählige Male getourt ist, in den kleinsten Läden gespielt hat und sich neben einer soliden Fanbasis genug Kredit erspielt hat, um diesen konsequenten Schritt zu tun, denn Château ist noch mehr Pop und noch gefühlvoller als der Vorläufer. Große Songs, die man kleinen süßen Mädchen gerne hätte vorspielen wollen, sofern es diese Band zu der Zeit gegeben hätte, als kleine süße Mädchen aktuell waren (das ist der Fluch der frühen Geburt). Aber hey, wenn Du im entsprechenden Alter bist, dann hast immerhin Du diese Chance. Obwohl die Texte auf deutsch sind und die Musik alles andere als „hart“, ist diese Platte keinesfalls peinlich, schmalzig, oder was auch immer. Ich trau mich kaum zu sagen, dass Schrottgrenze so klingen, wie ich mir seinerzeit Tocotronic gerne gewünscht hätte, bevor sie allzu kopflastig wurden, tu’s aber trotzdem, weil es stimmt. Konsequenterweise kauft man sich die Doppel-LP-Version auf Weird System, mit sieben Bonustracks gegenüber der CD-Version auf Motor! Das macht sexy und die sieben Extrasongs sind keineswegs Reste, sondern mindestens so gut wie die übrigen Stücke auf dieser wunderbaren Postpop-Platte (und das schreib ich jetzt nur, weil alle anderen sicherlich mit Postpunk, Popdingsbums und so weiter rumhantieren werden). Steht zwar „Rehearsal Demo“ daneben, aber so gut produziert klingen wirklich nur wenige regulär aufgenommenen Scheiben. Außerdem finden sich unter den Bonussongs dann auch die etwas härteren Stücke, die auch ohne Hinterkopfwissen unter Punkrock laufen würden. Bin gespannt, ob auf dem nächsten Konzert wirklich die Jugend den Weg finden wird, dann heben wir den Altersdurchschnitt. (Weird System)

KURT-RMXD-12“
Remixe als Rettung der soundtechnisch nicht ganz optimalen Split 7“ mit den Popular Shapes (die zwei Songs klingen nun in der Tat richtig gut und mit Tiefgang), sowie Remixe im herkömmlichen Sinne von „Verwurstung bekannter Stücke durch bandfremde Musiker, die an den Knöpfen gedreht haben“. Klingt interessant und beleuchtet den Sound von Kurt auf eine ganz neue Weise. Normalerweise bin ich überhaupt kein Freund von Remixen, aber wenn wie hier etwas Besseres dabei herauskommt, dann, ja dann! (X-Mist)

CHINGALEROS-RELEASE THE APES-LP
Nenn mich mutig, denn die erste LP der Spanier ging mir ziemlich auf den Sack und ward seither nicht mehr gehört. Normalerweise gebe ich einer solchen Enttäuschung keine zweite Chance, aber wenn mir Leute mit gutem Geschmack versichern, dass es sich hier um was Besonderes handelt, dann siegt die Neugier. Musikalisch wünsche ich demjenigen, der versucht, diese Band einzuordnen, jedenfalls frohe Feiertage, denn wie ordnet man etwas ein, das sich jeder Hörgewohnheit entzieht und jeden Stil gekonnt mit Füßen tritt? Der Grundtenor ist punkiger Natur, wechselt aber schlagartig eine andere Richtung, wenn jemand mit einer Mundharmonika oder einem Eierschneider den Aufnahmeraum betritt. Was mit Discoorgel beginnt, wird kurz danach ausgeblendet und eine Dampfwalze rollt stampfend über den Dancefloor, die wenig später von einem nölenden Saxophon begleitet wird. Dass der Song dennoch rockt wie die Sau, dafür sorgen zwei Schlagzeuger, gefühlte vier Gitarren und ein Sänger, der nebenberuflich locker in jeder Hatecoreband anfangen könnte. Ein echtes Hörerlebnis, wuchtig produziert wie ein 12-Tonner, der durch eine Fußgängerzone pflügt und dabei die peruanischen Pan-Zeckendecken, den Drehorgelspieler und ein paar Musikstudenten unter sich begräbt. Eine solche Respektlosigkeit vor den verschiedensten Stilrichtungen gab es seit den Anfangstagen der Red Hot Chili Peppers oder den Big Boys nicht mehr, und Letztere werden konsequenterweise auch mit einem Coversong bedacht. Zu allem Überfluss ist die Platte auch noch wunderschön in eine rote Hülle verpackt, die aus dem 3D-Covermotiv (vordergründig ein schreiender Pavian) einen mächtigen Gorilla zaubert. Sehr schön, sehr genial ... sehr, sehr geil!!! Fortgeschrittene Zuhörer sollten bedingungslos zugreifen, denn die Platte ist auf ganze 500 Exemplare limitiert! (Beat Generation)

TELEMARK-VIVA SUICIDE-LP
Hui, das rappelt und rockt wie eine Katze, die man auf den Rücken seines Pitbulls gesetzt hat (keine Sorge, bei diesem Review wurden keine untrainierten Tiere verwendet). Diese Platte ist eine musikalisch rasante Tiefschneefahrt auf einer mörderischen Buckelpiste mit verbundenen Augen. Sehr spannend, ob man heil unten ankommt oder ob man sich sämtliche Gräten bricht. Vom Drive und Elan her sind sämtliche Vergleiche, die zwischen der „Kiosk“ von Dawnbreed und allen Platten von Turbostaat liegen, durchaus legitim. Die Jungs haben’s drauf, ordentlich Hummeln in der Hose und für diese Scheibe den perfekten Sound gefunden. Klingt gut, riecht gut, und wer richtig bestellt, der bekommt das Ganze in einer bedruckten Papptüte, die er sich über den Kopf stülpen kann, wenn er morgens mal wieder aus dem Maul stinkt wie ein in der Jauchegrube ersoffenes Kamel. Zwischen allen Stühlen, aber mit einem breiten Hintern und voller Selbstbewusstsein, so muss es sein! (X-Mist)

FRUSTRATION-FULL OF SORROW-12“
WOW!!!!!!!!!!!!!!! Grandiose Steigerung zur ohnehin schon gelungenen ersten 12“. Die Franzosen fahren ein ziemliches Geschütz auf, das sich zwischen dem Sound des Joy Division-Vorläufers Warsaw und frühen Wall ansiedelt, allerdings mit einer weitaus zeitgemäßeren und satten Produktion, die keine Wünsche offen lässt. Nicht so sehr Elektropunk wie z.B. Volt, aber mit elektronischer Unterstützung derzeit ebenso einzigartig und unverwechselbar. Der Vergleich zu Warsaw ist bei Frustration übrigens legitim, denn wenn bei „For them no premises“ kurz mal der Gitarrenakkord von „They walked in line“ aufblitzt, dann ist das durchaus gewollt und nicht von ungefähr. Zudem klingt der Sänger wie ein junger Curtis, dann darf das auch so klingen, wie’s hier tönt, zumal der gebührende Abstand immer gewahrt bleibt! Fünf Songs, all killer, no filler! Vielen Dank, hier darf ruhig noch mehr kommen! (Born Bad) 

 

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