REVIEW MEINE OHREN
April/Mai 2008
TEACHERS PET-SAME-CD
Im Grunde ein „neues“ Album, denn die Aufnahmen schlummerten seit 19 Jahren auf irgendwelchen Bändern. Richtig, SO würden einige der vielen aktuellen 77er-Bands gerne klingen, ursprünglich, originär, roh und nach einem Aufnahmestudio, in dem die Langhaarigen noch absolut keinen Schimmer von Punk-Rock haben. Unvermögen als Sound bekommt man heute nur noch mit erheblichem technischen Aufwand oder entsprechend altem Equipment und einem aufgetauten Althippie hin, aber wo gibt es das noch? Die zwölf Studiotracks klingen verdammt gut, irgendwo zwischen Testors, Dead Boys, Bizarros und dem ganzen Jungspund-Punk der ersten Generation, wo in Ermangelung von Blaupausen noch alles ohne Kopierdienste auskam. Der Pornobalken des Schlagzeugers (sieht aus wie der Bruder von Dieter Yello Meier) rult auf eine merkwürdig abseitige Art! Sehr gut, und trotz Grundrauschen sehr frisch. Streifenshirts sind heute wieder modern, ebenso wie Punk mit Keyboards, nur ist das hier die Ursuppe, ohne die viele Bands keine Orientierungspunkte hätten. Schöne Geschichtslesung mit ein paar astreinen Old-School-Hits, die man auf den KBD-Samplern vergessen hat. Die Livetracks und die Videoclips runden das Ganze sehr schön ab. 

PAGANS-THE BLUE ALBUM-CD 
Gibt es noch etwas Wesentliches von den Pagans, das nicht bereits veröffentlicht wurde? Ich würde sagen: Nein! Auch wenn hier „all tracks previously unreleased“ draufsteht, bezieht sich das nur auf die Form der Aufnahme. Das Studiomaterial wurde schon komplett wiederveröffentlicht, mehr braucht eigentlich kaum jemand, denn die Pagans klangen schon auf ihren Studioaufnahmen räudig genug. Das hier vorliegende blaue Album ist eine Liveaufnahme, die mittelguten Bootlegqualitäten entspricht. Für Fans der Pagans sicher nett, aber neue Freunde werden sie dadurch ebensowenig finden wie rundum glückliche Hörer, denn dafür scheppert das ganze einfach zu sehr. Die meisten der richtigen Hits wie „Little black egg“ oder „Dead end America“ fehlen, was das Set, aufgenommen 1988, nicht unbedingt besser macht. Mit dem bescheidenen Cover und allem drumherum würde ich mir die Platte jedenfalls nicht kaufen. Wenn schon eine Pagans-Liveplatte, dann die „Godlike power of the Pagans“. Im Grunde riecht es ohnehin nur nach einer begleitenden Werbeaktion für das vom Sänger Michael Hudson geschriebene Buch. Unnötig wie ein Ei mit Reißverschluss. (smogveil.com)

YIKES-WHOA COMAS/BLOOD BOMB-12” 
Sieben verzerrte Kracher zwischen Schamanentanz und bis zum Anschlag aufgedrehten Verstärkern. So „garagig“ das Ganze auch klingen mag, es hat eine verdammt fette Produktion mit ordentlich Schmackes hinter den Drums. Wem die frühen Cramps zu bieder waren und die Fatals zu übersteuert, der findet hier das Missing-Link, das zu allem Überfluss auch noch ein Augenzwinkern übrig hat. Klingt in der Tat wie ein durchgeknallter Lux Interior mit viel Hall, dem man ohne Vorankündigung das Ritalin abgesetzt hat. Sehr straight, sehr trashig, aber weder primitiv noch langweilig. Dafür sorgt auch schon die Kürze dieser einseitig bespielten 12“, deren Stücke alle locker auf einer Seite Platz haben. „The Wick“ ist eine Bombe, die auf Vinyl leider nur 350 glückliche Menschen hören werden, denn auf diese Stückzahl ist die Platte limitiert. Wer da zu spät kommt, greift sich die CD-Version, muss dabei aber leider auf das schöne Siebdruckcover verzichten. Heiß!!! (labil.org)

TESTORS-LIVE RECORDINGS 1976-1979-LP
Muss schon einen Grund haben, wenn ein quasi schlafendes Label sich gelegentlich erhebt, um einige wenige Platten zu veröffentlichen. Sonny Vincent, Legende, New York, Dead Boys, Punk-Rock-Urvater, Richard hell, blablabla … wissen wir alles, oder sollten wir wenigstens wissen, wenn nicht, dann tun wir eben so als ob! Sagen wir es so: 500 Exemplare, aufwändige Aufmachung mit Bandfotoposter, einem Stapel reproduzierter Konzertflyer, zwölf Songs astreinem Killed by Frühzeit-Punk, wie er heute nicht mehr gebaut wird, weil irgendwie doch schon alles einmal da war, eine Zusammenstellung durchweg guter bis sehr guter Liveaufnahmen mit einigen bisher ungehörten Tracks der Band, die zeitlebens nicht den Stellenwert inne hatte, der ihr eigentlich zugestanden hätte. Aber so ist das eben mit Bands, deren Output seinerzeit sehr überschaubar war (eine Single). In ihrer Stadt, zu ihrer Zeit ein Anstoß für viele andere, eine eigene Band zu gründen, außerhalb der Stadtmauern bleiben sie meistens unbekannt. Warum die Testors für den frühen Punk in NY eine Bedeutung hatten, das kann jeder Depp (500 Deppen!) nun auf dieser Platte nachhören. Großartige, rohe Punkkracher von Leuten, die sich damals nur an sich selbst orientieren konnten. Einziger kleiner Minuspunkt: Grafikkünstler waren die Testors nie, deswegen sehen die Konzertflyer durchgehend etwas „simpel“ aus, was man zum Glück von ihren Songs nicht behaupten kann. (incognitorecords.de)

BLACK SUNDAY/LE JONATHAN REILLY-SPLIT-LP
Ein klein wenig enttäuscht war ich schon, als die Platte mit dem “exklusiven Cover” dann endlich da war. Ok, die Sonderfarbe kostet vielleicht ein wenig mehr Geld, aber ein Klappcover oder ein Innersleeve hätte ich erwartet, damit es wenigstens eine Frontseite ohne Titel gegeben hätte. Egal, sieht aus, wie sie eben aussieht. Le Jonathan Reilly ist ganz solider Punk mit Melodien, nicht kitschig, aber auch nicht zwingend. Cover M.O.T.O. und die Lost Sounds, was in etwa die Zielrichtung richtig beschreibt. Der schwarze Sonntag dagegen ist jeden einzelnen Cent wert. Alicja Trout tobt sich seit dem Ableben der Lost Sounds in diversen Bands auf verschiedenste Art aus, am vielfältigsten aber bei Black Sunday. Zwischen dem Biss und Hass der Band mit ihrem ehemaligen Kollegen Jay Reatard pendel die Band ohne Rücksicht auf Stilgrenzen quer durch die Musikgeschichte. M.R.E.’s ist ein Song, der einem elektronischen Minimal-Gangsta-Rap-Song zur Ehre gereichen würde (sofern es das Genre gäbe). Ein absoluter Hammer! „Hope it don’t count“ ist bester 77er-Pop-Punk wie frühe GoGo’s, dazu gibt es noch zwei Coverversionen. Wann tourt die Frau endlich mal mit dieser Band? Für die Farbensammler vielleicht noch wichtig: Grün-grau-marmoriertes Vinyl, selbstverständlich limitiert mit Heulvorprogrammierung. (tictactotally.com)

DIGITAL LEATHER-THE ASSAULT-7”
Shawn Foree stellt regelmäßig auf seiner My Space-Seite neue Songs zum Anhören bereit. Ein feiner Zug, denn so weiß man vorab, ob es taugt, was man demnächst kauft. Der Titeltrack ist ein psychotischer, schleppender Elektrostampfer, der seine Wirkung unter anderem daraus zieht, dass er zu langsam zu laufen scheint. „Video Phase“ lärmt da schon mehr und könnte auch in der einen oder anderen EBM-Diskothek laufen – sofern es eine mit gutem Geschmack gäbe. Zwei Songs, zwei Treffer in gewohnt hohem DL-Standard. Sehr schön, dass für die aktuelle Tour die unnötig rare „Closed my eyes“ 7“ nochmals von P.Trash aufgelegt wurde. Sollte in keinem Haushalt fehlen. (redloungerecords.de)

THE HEX DISPENSERS-LOSE MY COOL-7”
Jaaa, hier stimmt so richtig alles. Schönes Coverartwork, drei würdige Songs und die Hex Dispensers pur. Hatten letztes Jahr eine der besten Platten überhaupt (dazu als Debut!!!) und legen nun hoffentlich nach. Die Coverversion der Wipers ist der unmissverständliche Fingerzeig auf eine Verwandtschaft, auf die noch keiner gekommen ist. In der Tat, live sind die drei Herren und die Frau aus Texas gar nicht weit von den großartigen frühen Wipers entfernt, behalten aber stets ihre eigene Note. Eine Prise Halloween-Horror drauf, Molchaugen und fertig. Wer die Band verpasst, dem entgeht derzeit eines der aufregendsten musikalischen Ereignisse der letzten Jahre auf diesem Sektor. Soll keiner nachher angeschissen kommen, niemand hätte ihm was gesagt. (Douche Master Records)

THE HEX DISPENSERS-MY LOVE IS A BAT-7”
Yeah, yeah, yeah, mit dem gestrigen Konzert noch im Kopf, der Hüfte und den Beinen kann diese Platte einfach nur gut sein. Hammerkonzert, bei dem der Band anschließend die Tonträger förmlich aus der Hand gerissen wurden. Toursingle only, für die ich mich an Deiner Stelle jetzt schnurstracks auf die Suche machen würde. Schönes Coverartwork, das eine Single behütet, die mit zwei echten kleine Perlen aufwarten kann. Zwischen den Ghetto Ways und den Wipers mit etwas spooky-Einschlag liegen die Dispensers. Treibender Beat, der viel Wumms von der Standtom bezieht. Den nötigen Drive bekommen die Songs durch die zwei Gitarren und den sehr repetitiven Gesang. Alles andere als die volle Punktzahl wäre verlogen! (aliensnatch.com)

MODERN ACTION-SAME-7“
Ich verbreite gerne Angstschweißausbrüche, allerdings hätte ich weit mehr Freude daran, wenn ich dabei zusehen könnte, wie sich die kleinen Perlen langsam auf Deiner Stirn bilden, um dann eiskalt in Deine Augen oder die Arschritze hinunter zu laufen. Ehemalige Mitglieder der Briefs und der Bodies haben ein neues Spielzeug, gründen kurz ein neues Label und klatschen in einer 350er Auflage (na, perlt es schon?) zwei astreine 77er-Hippelsmasher in die Rillen. Der einzige Unterschied zu den wirklich alten 77er-Bands ist, dass alles ein wenig kalkulierter und glatter klingt, weil man mittlerweile weiß, wie man richtig guten Sound im Studio hinbekommt. Zwei Songs, zwei Hits! (modernactionrecords.com)

ATOMS-FORMAT-7“ 
Das Cover sagt es eigentlich schon aus, denn die Ähnlichkeiten zum Epoxies-Layout sind nicht zu verleugnen. 77er-Punk mit bunten Brillen, Videospiel- und VCR-Affinität, Streifenshirts und Keyboards. Retro um jeden Preis, wenn es sein muss auch für 100 Euro, die ein paar alte ausgelatschte Adidas-Samba eventuell mal kosten. Im Grunde nicht unähnlich der Epoxies, nur wesentlich hitfreier. Soll heißen, dass die Atoms lange nicht so prickelnde Ohrwürmer schreiben wie das bunte Vorbild. Definitiv nicht zwingend! (myspace.com/atoms)

COMPLICATIONS-FOLLOW ME-7” 
Lärmiges Trio, das aus der Asche der Fatals und der Magnetix entstanden ist. Für die Fatals lässt sich die Herkunft wenigstens nicht ganz verleugnen, auch wenn die Rückkopplungen auf der Strecke geblieben sind. Gesanglich lassen sich Parallelen zu den Sonics nicht wegdiskutieren, musikalisch klingt es sehr deutlich nach Mick Collins, also den Dirtbombs, nur wesentlich lauter. Tippelditippelditipp: Irgendwo zwischen den erwähnten Bands, aber eben sehr laut. (Yakisakana Records)

SNIFFING GLUE-SUBURBAN SUICIDE, SUBURBAN VIOLENCE E.P.-7“
Nochmal Retro, nur wird diesmal die Zeitmaschine nicht auf 1977 gestellt und das Zielland ist auch ein anderes. Wir befinden uns im Jahre 1982 oder 1983 irgendwo in den USA auf einer Show der Circle Jerks, die zusammen mit Black Flag touren. Am Tag nach der Show gründen sich neue Bands wie State, Direct Action und eben Sniffing Glue, die das eben Erlebte gerne auf ihre Art reproduzieren möchten. So hätte die Geschichte lauten können, wenn die Bandmitglieder nicht Macel, Julian, Andi oder Fanta hießen und wir nicht in den USA wären oder das Jahr 2008 hätten. Soll aber nicht heißen, dass das hier schlecht klingen würde, ganz im Gegenteil, endlich mal Retro ohne bunten Plastikbrillen oder Stripeslook. Früher US-Hardcore der zweiten Generation, gespielt im Hier und Jetzt. Knallt 3x ordentlich, könnte aber noch ein wenig mehr haften bleiben für meinen Geschmack. (Search for fame records - myspace.com/sniffinggluepunk)

SELF ABUSE-SAME-7“
Erinnert mich irgendwie an die Neos, als ich sie noch nicht verstanden habe. Gnadenloser US-Hardcore, wie er ca. 84/85 aufkam, kurz bevor es metallisch wurde. Parts, die Dich einsammeln bis zum Break, nachdem sich alles wie in einer Tüte voller Blechdosen überschlägt, die man gerade die Treppe hinunter geworfen hat. Auf den frühen Mystic-Samplern gibt es zahllose Bands, die so klangen, nur in wesentlich dünnerem Sound. Hat irgendwas, das sich rationell nicht wirklich erklären lässt, denn irgendeine Kleinigkeit hebt diese EP von eben jenen Mystic Bands gnadenlos ab. (Suburban Waste Records)

HOLLYWOOD-BIGMOUTH-7”
Warum tut sich jemand das an? Warum sollte sich jemand freiwillig von einer Band malträtieren lassen, die klingt, als hätten die Drunks with guns ihr schändliches Handwerk wieder aufgenommen? Schleppend-schleifender Krach, bevor es Label wie Amphetamine Reptile oder die Schublade „Noise“ überhaupt gab. Wer frühe Flipper oder besagte Trinker mit Waffen mag und nichts dagegen hat, wenn es vom 1. auch mal in den 2. Gang geht, der kann sich auf diese Single gepflegt einen von der Palme wedeln. Allerdings muss er sich dabei etwas beeilen, denn lang ist sie nicht.(Spin the bottle records)

VAGINA BOYS-SAME-7“
Wenn hier jemand von den Grabbies dabei ist, dann jemand, der nicht sonderlich auffällt, denn die Burschen klingen zwar extrem fies, aber vergleichsweise virtuos. Nihilistischer Offensiv-Punk, garantiert frei von Correctness und gutem Geschmack. Werden für ihre Texte sicherlich keinen Grimme-Preis einheimsen, geschweige denn einen Designerpreis für ein besonders schönes Cover. Es lässt sich aber auch nicht verleugnen, dass zumindest zwei der Songs etwas haben, das einen fesselt, und damit meine ich nicht die völlig überdrehte und verhackstücke Coverversion von „Gimmie gimmie gimmie“. (Ken Rock)

FRUSTRATION-RELAX-CD
Packt mich nicht ganz so wie die beiden vorangegangen 12”s, was auch an der Länge liegen mag, denn es sind ein paar Füller enthalten. Die Grenzen liegen immer noch zwischen den drei „Ws“ (nein, es ist nicht das world wide web, Du Esel), nämlich Warsaw, Wire und Wall, zwischen denen sich Frustration ganz ungeniert wie selbstverständlich bewegen. Ist zwar nicht ganz so gut wie die ersten beiden Releases, aber trotzdem immer noch meilenweit über dem derzeitigen Standard, vor allem, weil dieses Feld kaum jemand beackert. (Born Bad/myspace.com/_frustration)

BRIMSTONE HOWL-EUROPEAN TOUR 2008-2x7”
Die Doppel-EP kommt mit ihren vier Seiten und sechs Songs fast auf Mini-LP-Länge. Ziemlich übersteuerter Gesang, der aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass hier jemand seine Rock’n’Roll-Hausaufgaben gemacht hat. Nach klassischem Hitmuster gestrickte Smasher im Garagemäntelchen, der gut wärmt. Auf die Verwandtschaft zu den Oblivians oder den frühen Jeffrey Lee Pierce mit seinem Waffenclub wird korrekterweise auch vom Label hingewiesen, stimmt nämlich auch. Nur der Gesang klingt so, als wäre er in einem gekachelten Schlachthof aufgenommen worden, was dem Ganze letzten Endes die persönliche Note verleiht. Schöne Verpackung in einem Versandkarton mit Siebdruckverfahren. Sieht gut aus, klingt gut, was will man mehr? (P.Trash/Red Lounge Records/ptrashrecords.com)

MONOCHROME-CACHE-CD/LP
Optisch und musikalisch das Gegenstück zur 2006 erschienen Éclat-CD, die nun auch schon wieder zwei Jahre zurück liegt. Diesmal gab es keine Besetzungswechsel, keine großen Schritte, dafür aber kleine, deren Suche sich nicht weniger aufregend gestaltet als eine Neuigkeit, die mit lautem Getöse in die Tür platzt. Cache ist das Gegenstück zum Vorgänger und würde sich gut als Doppel-CD machen, denn zusammen funktionieren sie sehr gut. Was auf der einen zurückgehalten wird, platzte davor noch offen heraus. Hier wird mit Zurückhaltung und Spannung gespielt, bei der man immer auf den Ausbruch wartet, der noch nicht, noch nicht, gleich, nein doch nicht, jeeetzt, nein ... Cache ist auf seine Art erwachsener geworden, weil hier mit kleinen Melodien soviel Pop erzeugt wird, dass es auf den platten Refrain nicht mehr ankommt. Wer den will, der kann immer noch auf die erste Platte dieses verspäteten Doppelalbums zurückgreifen. Definitiv nichts für Großmäuler und Fastfood-Konsumenten. (stickman-records)

DEAD ELVIS & HIS ONE MAN GRAVE-SHAKE-7”
Der tote Elvis ist Danzig, bevor der kleine Mann seinen Muskeln den Vorzug gegeben hat, ohne Band, ganz alleine nur mit einer Drumbox, etwas Elektronik, seiner Gitarre und der Stimme, die dem Elvis-Double Anzalone nicht ganz unähnlich klingt. Drei Tracks, dreimal kurzweilige Unterhaltung, die sich durch die kleinen Elektroschnipsel und den eingängigen Gesang von den vielen One-Man-Band Mitbewerbern deutlich unterscheidet. Während viele einfach nur keine Freunde haben, die mit ihnen spielen wollen, funktioniert das hier auch ohne Abstriche. Der Typ braucht in der Tat keine Band. (squoodge.de)

ROCKET FROM THE CRYPT-RIP-CD+DVD
Was hat denn da so lang gedauert? Zweieinhalb Jahre nach dem letzten Konzert 2005 erscheint nun endlich die Abschieds-CD mit dem Vermächtnis der einstmals besten Band aus San Diego. „Eine Band über dem Verfallsdatum“ würde auch hier passen, denn Rocket from the Crypt haben sich mit ihren Nachfolgebands längst selber überholt, die zudem auch noch teilweise vor dem offiziellen Ende von Rocket wieder aufgelöst waren. Ca. zehn Jahre nachdem sie ihren Zenit überschritten haben, löste sich die Band nach jahrelangem Siechtum nun doch endlich offiziell auf, um dem Warten auf etwas essentiell Neuem ein Ende zu bereiten. Fast alle Hits in sehr guter Soundqualität, feine Linernotes von Speedo, ein paar Lücken, dafür ein respektabler Querschnitt aus allen Phasen der Band. Eigentlich eine rundum gelungene Packung (wenn da nicht der Geschmack auf der Zunge wäre, dass man viel lieber eine Liveplatte von 95/96 hören würde, als Rocket im vollen Saft standen). Das Video ist wie fast jedes Livevideo eine reine Dreingabe. Wer nicht da war, hat zwar die Bilder vor Augen, riecht aber trotzdem nicht den Schweiß, die Ohren pfeifen nach dem Konzert nicht, irgendwie wie Wichsen mit Arbeitshandschuhen. Gibt zwar mehrere Kameras, aber das Bild ist sehr grobkörnig und die Aufnahmen werden dem Glamour der Band auf keinen Fall gerecht. Als Dreingabe aber völlig ok, separat wär’s eine Frechheit gewesen, aber das haben RFTC noch nie gemacht. (Vagrant)

MICHALE GRAVES & DAMIEN ECHOLS-ILLUSIONS-CD
Der größte Depp auf dieser Seite macht eine der besten Platten des Jahres 2008. Die Stimme der zweiten Inkarnation der Misfits, bevor sie zur Doyle-Show aka „Das Misfits“ verkam hat in den letzten Jahren einige Platten veröffentlicht. Mal als „Graves“, mal unter „Gotham Road“. Allen gemeinsam war, dass er immer einen großen Bissen der Misfits-Crdibility im Mund hatte, was letztendlich dazu führte, dass regelmäßig ein oder zwei alte neue Misfits-Stück in einer Neuinterpretation seiner jeweiligen Band enthalten waren. Richtig gut war das Ganze bisher allerdings nicht, auch weil Michale Graves durch sein Engagement bei Conservatie-Punk präventiv so viele Minuspunkte angehäuft hatte, dass man sein Geld lieber einer Nachwuchs-Sparkassenband geben wollte als einem desorientierten Halbstarken, der als Schwiegersohnpunk auch schon mal eine Runde Golf für’s US-Fernsehen spielte. So ... und dann erscheint diese Platte, deren Interpretenduo schon einmal stutzig machen sollte, denn Damien Echols ist nicht irgendwer, und außerdem sehr schwer verfügbar für Plattenaufnahmen, weil es in der Death-Row keine Aufnahmestudios gibt. Damien Echols ist einer der West-Memphis Three! Hier jetzt einfach Wikipedia konsultieren, das Engagement von Henry Rollins oder den „Free the West-Memphis Three“-Sampler herauskramen, statt blöd aus der Wäsche zu gucken. Fakt ist, dass Michale Graves offenbar doch noch ein Stück funktionierendes  Resthirn besitzt, denn er engagiert sich für die Drei, vor allem für Damien Echols, der auf dieser CD zwar kein Instrument spielt, aber Texte beigesteuert hat. Der Rest sind Graves-Eigenkompositionen und (!) zwei Misfits-Klassiker, die wie die komplette CD halbakustisch eingespielt wurden. Ohne die bisherige manchmal peinliche Suche nach Soundnähe zu den Misfits der vorherigen Platten, gewinnt „Illusions“ ungemein, denn Michale hat zwar ein paar Schrauben locker, aber eine leider einmalige Stimme. Die Stücke sind fast durchgehend traurig-schön und besitzen eine Erhabenheit, die nur wenige erreichen. „Frostbite“, „Lucifer i am“ und „We were angels“ sind in dieser Fassung Stücke für die Ewigkeitm, selbst die zwei Neufassungen von „Dig up her bones“ und „Crying on saturday night“ sind grandios. Das macht immerhin schon ein Drittel der Platte zu Hits und eine Suche bei Amazon-Marketplace sinnvoll, denn einen europäischen Vertrieb gibt es nicht und die CDs sind dort als Import mit Porto immer noch billiger als sämtliche hierzulande veröffentlichen Neuerscheinungen. Ein Depp bleibt er trotzdem, der Michel, denn so leicht geht Rehabilitation nun auch wieder nicht!!! (sosrecords.us)

 

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