TEACHERS PET-SAME-CD
Im Grunde ein „neues“ Album, denn die Aufnahmen schlummerten seit 19
Jahren auf irgendwelchen Bändern. Richtig, SO würden einige der
vielen aktuellen 77er-Bands gerne klingen, ursprünglich, originär,
roh und nach einem Aufnahmestudio, in dem die Langhaarigen noch absolut
keinen Schimmer von Punk-Rock haben. Unvermögen als Sound bekommt
man heute nur noch mit erheblichem technischen Aufwand oder entsprechend
altem Equipment und einem aufgetauten Althippie hin, aber wo gibt es das
noch? Die zwölf Studiotracks klingen verdammt gut, irgendwo zwischen
Testors, Dead Boys, Bizarros und dem ganzen Jungspund-Punk der ersten Generation,
wo in Ermangelung von Blaupausen noch alles ohne Kopierdienste auskam.
Der Pornobalken des Schlagzeugers (sieht aus wie der Bruder von Dieter
Yello Meier) rult auf eine merkwürdig abseitige Art! Sehr gut, und
trotz Grundrauschen sehr frisch. Streifenshirts sind heute wieder modern,
ebenso wie Punk mit Keyboards, nur ist das hier die Ursuppe, ohne die viele
Bands keine Orientierungspunkte hätten. Schöne Geschichtslesung
mit ein paar astreinen Old-School-Hits, die man auf den KBD-Samplern vergessen
hat. Die Livetracks und die Videoclips runden das Ganze sehr schön
ab.
PAGANS-THE BLUE ALBUM-CD
Gibt es noch etwas Wesentliches von den Pagans, das nicht bereits veröffentlicht
wurde? Ich würde sagen: Nein! Auch wenn hier „all tracks previously
unreleased“ draufsteht, bezieht sich das nur auf die Form der Aufnahme.
Das Studiomaterial wurde schon komplett wiederveröffentlicht, mehr
braucht eigentlich kaum jemand, denn die Pagans klangen schon auf ihren
Studioaufnahmen räudig genug. Das hier vorliegende blaue Album ist
eine Liveaufnahme, die mittelguten Bootlegqualitäten entspricht. Für
Fans der Pagans sicher nett, aber neue Freunde werden sie dadurch ebensowenig
finden wie rundum glückliche Hörer, denn dafür scheppert
das ganze einfach zu sehr. Die meisten der richtigen Hits wie „Little black
egg“ oder „Dead end America“ fehlen, was das Set, aufgenommen 1988, nicht
unbedingt besser macht. Mit dem bescheidenen Cover und allem drumherum
würde ich mir die Platte jedenfalls nicht kaufen. Wenn schon eine
Pagans-Liveplatte, dann die „Godlike power of the Pagans“. Im Grunde riecht
es ohnehin nur nach einer begleitenden Werbeaktion für das vom Sänger
Michael Hudson geschriebene Buch. Unnötig wie ein Ei mit Reißverschluss.
(smogveil.com)
YIKES-WHOA COMAS/BLOOD BOMB-12”
Sieben verzerrte Kracher zwischen Schamanentanz und bis zum Anschlag
aufgedrehten Verstärkern. So „garagig“ das Ganze auch klingen mag,
es hat eine verdammt fette Produktion mit ordentlich Schmackes hinter den
Drums. Wem die frühen Cramps zu bieder waren und die Fatals zu übersteuert,
der findet hier das Missing-Link, das zu allem Überfluss auch noch
ein Augenzwinkern übrig hat. Klingt in der Tat wie ein durchgeknallter
Lux Interior mit viel Hall, dem man ohne Vorankündigung das Ritalin
abgesetzt hat. Sehr straight, sehr trashig, aber weder primitiv noch langweilig.
Dafür sorgt auch schon die Kürze dieser einseitig bespielten
12“, deren Stücke alle locker auf einer Seite Platz haben. „The Wick“
ist eine Bombe, die auf Vinyl leider nur 350 glückliche Menschen hören
werden, denn auf diese Stückzahl ist die Platte limitiert. Wer da
zu spät kommt, greift sich die CD-Version, muss dabei aber leider
auf das schöne Siebdruckcover verzichten. Heiß!!! (labil.org)
TESTORS-LIVE RECORDINGS 1976-1979-LP
Muss schon einen Grund haben, wenn ein quasi schlafendes Label sich
gelegentlich erhebt, um einige wenige Platten zu veröffentlichen.
Sonny Vincent, Legende, New York, Dead Boys, Punk-Rock-Urvater, Richard
hell, blablabla … wissen wir alles, oder sollten wir wenigstens wissen,
wenn nicht, dann tun wir eben so als ob! Sagen wir es so: 500 Exemplare,
aufwändige Aufmachung mit Bandfotoposter, einem Stapel reproduzierter
Konzertflyer, zwölf Songs astreinem Killed by Frühzeit-Punk,
wie er heute nicht mehr gebaut wird, weil irgendwie doch schon alles einmal
da war, eine Zusammenstellung durchweg guter bis sehr guter Liveaufnahmen
mit einigen bisher ungehörten Tracks der Band, die zeitlebens nicht
den Stellenwert inne hatte, der ihr eigentlich zugestanden hätte.
Aber so ist das eben mit Bands, deren Output seinerzeit sehr überschaubar
war (eine Single). In ihrer Stadt, zu ihrer Zeit ein Anstoß für
viele andere, eine eigene Band zu gründen, außerhalb der Stadtmauern
bleiben sie meistens unbekannt. Warum die Testors für den frühen
Punk in NY eine Bedeutung hatten, das kann jeder Depp (500 Deppen!) nun
auf dieser Platte nachhören. Großartige, rohe Punkkracher von
Leuten, die sich damals nur an sich selbst orientieren konnten. Einziger
kleiner Minuspunkt: Grafikkünstler waren die Testors nie, deswegen
sehen die Konzertflyer durchgehend etwas „simpel“ aus, was man zum Glück
von ihren Songs nicht behaupten kann. (incognitorecords.de)
BLACK SUNDAY/LE JONATHAN REILLY-SPLIT-LP
Ein klein wenig enttäuscht war ich schon, als die Platte mit dem
“exklusiven Cover” dann endlich da war. Ok, die Sonderfarbe kostet vielleicht
ein wenig mehr Geld, aber ein Klappcover oder ein Innersleeve hätte
ich erwartet, damit es wenigstens eine Frontseite ohne Titel gegeben hätte.
Egal, sieht aus, wie sie eben aussieht. Le Jonathan Reilly ist ganz solider
Punk mit Melodien, nicht kitschig, aber auch nicht zwingend. Cover M.O.T.O.
und die Lost Sounds, was in etwa die Zielrichtung richtig beschreibt. Der
schwarze Sonntag dagegen ist jeden einzelnen Cent wert. Alicja Trout tobt
sich seit dem Ableben der Lost Sounds in diversen Bands auf verschiedenste
Art aus, am vielfältigsten aber bei Black Sunday. Zwischen dem Biss
und Hass der Band mit ihrem ehemaligen Kollegen Jay Reatard pendel die
Band ohne Rücksicht auf Stilgrenzen quer durch die Musikgeschichte.
M.R.E.’s ist ein Song, der einem elektronischen Minimal-Gangsta-Rap-Song
zur Ehre gereichen würde (sofern es das Genre gäbe). Ein absoluter
Hammer! „Hope it don’t count“ ist bester 77er-Pop-Punk wie frühe GoGo’s,
dazu gibt es noch zwei Coverversionen. Wann tourt die Frau endlich mal
mit dieser Band? Für die Farbensammler vielleicht noch wichtig: Grün-grau-marmoriertes
Vinyl, selbstverständlich limitiert mit Heulvorprogrammierung. (tictactotally.com)
DIGITAL LEATHER-THE ASSAULT-7”
Shawn Foree stellt regelmäßig auf seiner My Space-Seite
neue Songs zum Anhören bereit. Ein feiner Zug, denn so weiß
man vorab, ob es taugt, was man demnächst kauft. Der Titeltrack ist
ein psychotischer, schleppender Elektrostampfer, der seine Wirkung unter
anderem daraus zieht, dass er zu langsam zu laufen scheint. „Video Phase“
lärmt da schon mehr und könnte auch in der einen oder anderen
EBM-Diskothek laufen – sofern es eine mit gutem Geschmack gäbe. Zwei
Songs, zwei Treffer in gewohnt hohem DL-Standard. Sehr schön, dass
für die aktuelle Tour die unnötig rare „Closed my eyes“ 7“ nochmals
von P.Trash aufgelegt wurde. Sollte in keinem Haushalt fehlen. (redloungerecords.de)
THE HEX DISPENSERS-LOSE MY COOL-7”
Jaaa, hier stimmt so richtig alles. Schönes Coverartwork, drei
würdige Songs und die Hex Dispensers pur. Hatten letztes Jahr eine
der besten Platten überhaupt (dazu als Debut!!!) und legen nun hoffentlich
nach. Die Coverversion der Wipers ist der unmissverständliche Fingerzeig
auf eine Verwandtschaft, auf die noch keiner gekommen ist. In der Tat,
live sind die drei Herren und die Frau aus Texas gar nicht weit von den
großartigen frühen Wipers entfernt, behalten aber stets ihre
eigene Note. Eine Prise Halloween-Horror drauf, Molchaugen und fertig.
Wer die Band verpasst, dem entgeht derzeit eines der aufregendsten musikalischen
Ereignisse der letzten Jahre auf diesem Sektor. Soll keiner nachher angeschissen
kommen, niemand hätte ihm was gesagt. (Douche Master Records)
THE HEX DISPENSERS-MY LOVE IS A BAT-7”
Yeah, yeah, yeah, mit dem gestrigen Konzert noch im Kopf, der Hüfte
und den Beinen kann diese Platte einfach nur gut sein. Hammerkonzert, bei
dem der Band anschließend die Tonträger förmlich aus der
Hand gerissen wurden. Toursingle only, für die ich mich an Deiner
Stelle jetzt schnurstracks auf die Suche machen würde. Schönes
Coverartwork, das eine Single behütet, die mit zwei echten kleine
Perlen aufwarten kann. Zwischen den Ghetto Ways und den Wipers mit etwas
spooky-Einschlag liegen die Dispensers. Treibender Beat, der viel Wumms
von der Standtom bezieht. Den nötigen Drive bekommen die Songs durch
die zwei Gitarren und den sehr repetitiven Gesang. Alles andere als die
volle Punktzahl wäre verlogen! (aliensnatch.com)
MODERN ACTION-SAME-7“
Ich verbreite gerne Angstschweißausbrüche, allerdings hätte
ich weit mehr Freude daran, wenn ich dabei zusehen könnte, wie sich
die kleinen Perlen langsam auf Deiner Stirn bilden, um dann eiskalt in
Deine Augen oder die Arschritze hinunter zu laufen. Ehemalige Mitglieder
der Briefs und der Bodies haben ein neues Spielzeug, gründen kurz
ein neues Label und klatschen in einer 350er Auflage (na, perlt es schon?)
zwei astreine 77er-Hippelsmasher in die Rillen. Der einzige Unterschied
zu den wirklich alten 77er-Bands ist, dass alles ein wenig kalkulierter
und glatter klingt, weil man mittlerweile weiß, wie man richtig guten
Sound im Studio hinbekommt. Zwei Songs, zwei Hits! (modernactionrecords.com)
ATOMS-FORMAT-7“
Das Cover sagt es eigentlich schon aus, denn die Ähnlichkeiten
zum Epoxies-Layout sind nicht zu verleugnen. 77er-Punk mit bunten Brillen,
Videospiel- und VCR-Affinität, Streifenshirts und Keyboards. Retro
um jeden Preis, wenn es sein muss auch für 100 Euro, die ein paar
alte ausgelatschte Adidas-Samba eventuell mal kosten. Im Grunde nicht unähnlich
der Epoxies, nur wesentlich hitfreier. Soll heißen, dass die Atoms
lange nicht so prickelnde Ohrwürmer schreiben wie das bunte Vorbild.
Definitiv nicht zwingend! (myspace.com/atoms)
COMPLICATIONS-FOLLOW ME-7”
Lärmiges Trio, das aus der Asche der Fatals und der Magnetix entstanden
ist. Für die Fatals lässt sich die Herkunft wenigstens nicht
ganz verleugnen, auch wenn die Rückkopplungen auf der Strecke geblieben
sind. Gesanglich lassen sich Parallelen zu den Sonics nicht wegdiskutieren,
musikalisch klingt es sehr deutlich nach Mick Collins, also den Dirtbombs,
nur wesentlich lauter. Tippelditippelditipp: Irgendwo zwischen den erwähnten
Bands, aber eben sehr laut. (Yakisakana Records)
SNIFFING GLUE-SUBURBAN SUICIDE, SUBURBAN VIOLENCE E.P.-7“
Nochmal Retro, nur wird diesmal die Zeitmaschine nicht auf 1977 gestellt
und das Zielland ist auch ein anderes. Wir befinden uns im Jahre 1982 oder
1983 irgendwo in den USA auf einer Show der Circle Jerks, die zusammen
mit Black Flag touren. Am Tag nach der Show gründen sich neue Bands
wie State, Direct Action und eben Sniffing Glue, die das eben Erlebte gerne
auf ihre Art reproduzieren möchten. So hätte die Geschichte lauten
können, wenn die Bandmitglieder nicht Macel, Julian, Andi oder Fanta
hießen und wir nicht in den USA wären oder das Jahr 2008 hätten.
Soll aber nicht heißen, dass das hier schlecht klingen würde,
ganz im Gegenteil, endlich mal Retro ohne bunten Plastikbrillen oder Stripeslook.
Früher US-Hardcore der zweiten Generation, gespielt im Hier und Jetzt.
Knallt 3x ordentlich, könnte aber noch ein wenig mehr haften bleiben
für meinen Geschmack. (Search for fame records - myspace.com/sniffinggluepunk)
SELF ABUSE-SAME-7“
Erinnert mich irgendwie an die Neos, als ich sie noch nicht verstanden
habe. Gnadenloser US-Hardcore, wie er ca. 84/85 aufkam, kurz bevor es metallisch
wurde. Parts, die Dich einsammeln bis zum Break, nachdem sich alles wie
in einer Tüte voller Blechdosen überschlägt, die man gerade
die Treppe hinunter geworfen hat. Auf den frühen Mystic-Samplern gibt
es zahllose Bands, die so klangen, nur in wesentlich dünnerem Sound.
Hat irgendwas, das sich rationell nicht wirklich erklären lässt,
denn irgendeine Kleinigkeit hebt diese EP von eben jenen Mystic Bands gnadenlos
ab. (Suburban Waste Records)
HOLLYWOOD-BIGMOUTH-7”
Warum tut sich jemand das an? Warum sollte sich jemand freiwillig von
einer Band malträtieren lassen, die klingt, als hätten die Drunks
with guns ihr schändliches Handwerk wieder aufgenommen? Schleppend-schleifender
Krach, bevor es Label wie Amphetamine Reptile oder die Schublade „Noise“
überhaupt gab. Wer frühe Flipper oder besagte Trinker mit Waffen
mag und nichts dagegen hat, wenn es vom 1. auch mal in den 2. Gang geht,
der kann sich auf diese Single gepflegt einen von der Palme wedeln. Allerdings
muss er sich dabei etwas beeilen, denn lang ist sie nicht.(Spin the bottle
records)
VAGINA BOYS-SAME-7“
Wenn hier jemand von den Grabbies dabei ist, dann jemand, der nicht
sonderlich auffällt, denn die Burschen klingen zwar extrem fies, aber
vergleichsweise virtuos. Nihilistischer Offensiv-Punk, garantiert frei
von Correctness und gutem Geschmack. Werden für ihre Texte sicherlich
keinen Grimme-Preis einheimsen, geschweige denn einen Designerpreis für
ein besonders schönes Cover. Es lässt sich aber auch nicht verleugnen,
dass zumindest zwei der Songs etwas haben, das einen fesselt, und damit
meine ich nicht die völlig überdrehte und verhackstücke
Coverversion von „Gimmie gimmie gimmie“. (Ken Rock)
FRUSTRATION-RELAX-CD
Packt mich nicht ganz so wie die beiden vorangegangen 12”s, was auch
an der Länge liegen mag, denn es sind ein paar Füller enthalten.
Die Grenzen liegen immer noch zwischen den drei „Ws“ (nein, es ist nicht
das world wide web, Du Esel), nämlich Warsaw, Wire und Wall, zwischen
denen sich Frustration ganz ungeniert wie selbstverständlich bewegen.
Ist zwar nicht ganz so gut wie die ersten beiden Releases, aber trotzdem
immer noch meilenweit über dem derzeitigen Standard, vor allem, weil
dieses Feld kaum jemand beackert. (Born Bad/myspace.com/_frustration)
BRIMSTONE HOWL-EUROPEAN TOUR 2008-2x7”
Die Doppel-EP kommt mit ihren vier Seiten und sechs Songs fast auf
Mini-LP-Länge. Ziemlich übersteuerter Gesang, der aber nicht
darüber hinwegtäuschen kann, dass hier jemand seine Rock’n’Roll-Hausaufgaben
gemacht hat. Nach klassischem Hitmuster gestrickte Smasher im Garagemäntelchen,
der gut wärmt. Auf die Verwandtschaft zu den Oblivians oder den frühen
Jeffrey Lee Pierce mit seinem Waffenclub wird korrekterweise auch vom Label
hingewiesen, stimmt nämlich auch. Nur der Gesang klingt so, als wäre
er in einem gekachelten Schlachthof aufgenommen worden, was dem Ganze letzten
Endes die persönliche Note verleiht. Schöne Verpackung in einem
Versandkarton mit Siebdruckverfahren. Sieht gut aus, klingt gut, was will
man mehr? (P.Trash/Red Lounge Records/ptrashrecords.com)
MONOCHROME-CACHE-CD/LP
Optisch und musikalisch das Gegenstück zur 2006 erschienen Éclat-CD,
die nun auch schon wieder zwei Jahre zurück liegt. Diesmal gab es
keine Besetzungswechsel, keine großen Schritte, dafür aber kleine,
deren Suche sich nicht weniger aufregend gestaltet als eine Neuigkeit,
die mit lautem Getöse in die Tür platzt. Cache ist das Gegenstück
zum Vorgänger und würde sich gut als Doppel-CD machen, denn zusammen
funktionieren sie sehr gut. Was auf der einen zurückgehalten wird,
platzte davor noch offen heraus. Hier wird mit Zurückhaltung und Spannung
gespielt, bei der man immer auf den Ausbruch wartet, der noch nicht, noch
nicht, gleich, nein doch nicht, jeeetzt, nein ... Cache ist auf seine Art
erwachsener geworden, weil hier mit kleinen Melodien soviel Pop erzeugt
wird, dass es auf den platten Refrain nicht mehr ankommt. Wer den will,
der kann immer noch auf die erste Platte dieses verspäteten Doppelalbums
zurückgreifen. Definitiv nichts für Großmäuler und
Fastfood-Konsumenten. (stickman-records)
DEAD ELVIS & HIS ONE MAN GRAVE-SHAKE-7”
Der tote Elvis ist Danzig, bevor der kleine Mann seinen Muskeln den
Vorzug gegeben hat, ohne Band, ganz alleine nur mit einer Drumbox, etwas
Elektronik, seiner Gitarre und der Stimme, die dem Elvis-Double Anzalone
nicht ganz unähnlich klingt. Drei Tracks, dreimal kurzweilige Unterhaltung,
die sich durch die kleinen Elektroschnipsel und den eingängigen Gesang
von den vielen One-Man-Band Mitbewerbern deutlich unterscheidet. Während
viele einfach nur keine Freunde haben, die mit ihnen spielen wollen, funktioniert
das hier auch ohne Abstriche. Der Typ braucht in der Tat keine Band. (squoodge.de)
ROCKET FROM THE CRYPT-RIP-CD+DVD
Was hat denn da so lang gedauert? Zweieinhalb Jahre nach dem letzten
Konzert 2005 erscheint nun endlich die Abschieds-CD mit dem Vermächtnis
der einstmals besten Band aus San Diego. „Eine Band über dem Verfallsdatum“
würde auch hier passen, denn Rocket from the Crypt haben sich mit
ihren Nachfolgebands längst selber überholt, die zudem auch noch
teilweise vor dem offiziellen Ende von Rocket wieder aufgelöst waren.
Ca. zehn Jahre nachdem sie ihren Zenit überschritten haben, löste
sich die Band nach jahrelangem Siechtum nun doch endlich offiziell auf,
um dem Warten auf etwas essentiell Neuem ein Ende zu bereiten. Fast alle
Hits in sehr guter Soundqualität, feine Linernotes von Speedo, ein
paar Lücken, dafür ein respektabler Querschnitt aus allen Phasen
der Band. Eigentlich eine rundum gelungene Packung (wenn da nicht der Geschmack
auf der Zunge wäre, dass man viel lieber eine Liveplatte von 95/96
hören würde, als Rocket im vollen Saft standen). Das Video ist
wie fast jedes Livevideo eine reine Dreingabe. Wer nicht da war, hat zwar
die Bilder vor Augen, riecht aber trotzdem nicht den Schweiß, die
Ohren pfeifen nach dem Konzert nicht, irgendwie wie Wichsen mit Arbeitshandschuhen.
Gibt zwar mehrere Kameras, aber das Bild ist sehr grobkörnig und die
Aufnahmen werden dem Glamour der Band auf keinen Fall gerecht. Als Dreingabe
aber völlig ok, separat wär’s eine Frechheit gewesen, aber das
haben RFTC noch nie gemacht. (Vagrant)
MICHALE GRAVES & DAMIEN ECHOLS-ILLUSIONS-CD
Der größte Depp auf dieser Seite macht eine der besten Platten
des Jahres 2008. Die Stimme der zweiten Inkarnation der Misfits, bevor
sie zur Doyle-Show aka „Das Misfits“ verkam hat in den letzten Jahren einige
Platten veröffentlicht. Mal als „Graves“, mal unter „Gotham Road“.
Allen gemeinsam war, dass er immer einen großen Bissen der Misfits-Crdibility
im Mund hatte, was letztendlich dazu führte, dass regelmäßig
ein oder zwei alte neue Misfits-Stück in einer Neuinterpretation seiner
jeweiligen Band enthalten waren. Richtig gut war das Ganze bisher allerdings
nicht, auch weil Michale Graves durch sein Engagement bei Conservatie-Punk
präventiv so viele Minuspunkte angehäuft hatte, dass man sein
Geld lieber einer Nachwuchs-Sparkassenband geben wollte als einem desorientierten
Halbstarken, der als Schwiegersohnpunk auch schon mal eine Runde Golf für’s
US-Fernsehen spielte. So ... und dann erscheint diese Platte, deren Interpretenduo
schon einmal stutzig machen sollte, denn Damien Echols ist nicht irgendwer,
und außerdem sehr schwer verfügbar für Plattenaufnahmen,
weil es in der Death-Row keine Aufnahmestudios gibt. Damien Echols ist
einer der West-Memphis Three! Hier jetzt einfach Wikipedia konsultieren,
das Engagement von Henry Rollins oder den „Free the West-Memphis Three“-Sampler
herauskramen, statt blöd aus der Wäsche zu gucken. Fakt ist,
dass Michale Graves offenbar doch noch ein Stück funktionierendes
Resthirn besitzt, denn er engagiert sich für die Drei, vor allem für
Damien Echols, der auf dieser CD zwar kein Instrument spielt, aber Texte
beigesteuert hat. Der Rest sind Graves-Eigenkompositionen und (!) zwei
Misfits-Klassiker, die wie die komplette CD halbakustisch eingespielt wurden.
Ohne die bisherige manchmal peinliche Suche nach Soundnähe zu den
Misfits der vorherigen Platten, gewinnt „Illusions“ ungemein, denn Michale
hat zwar ein paar Schrauben locker, aber eine leider einmalige Stimme.
Die Stücke sind fast durchgehend traurig-schön und besitzen eine
Erhabenheit, die nur wenige erreichen. „Frostbite“, „Lucifer i am“ und
„We were angels“ sind in dieser Fassung Stücke für die Ewigkeitm,
selbst die zwei Neufassungen von „Dig up her bones“ und „Crying on saturday
night“ sind grandios. Das macht immerhin schon ein Drittel der Platte zu
Hits und eine Suche bei Amazon-Marketplace sinnvoll, denn einen europäischen
Vertrieb gibt es nicht und die CDs sind dort als Import mit Porto immer
noch billiger als sämtliche hierzulande veröffentlichen Neuerscheinungen.
Ein Depp bleibt er trotzdem, der Michel, denn so leicht geht Rehabilitation
nun auch wieder nicht!!! (sosrecords.us) |