REVIEW MEINE OHREN
AUGUST 2009
NOUVELLE VAGUE-3-CD
Aaah, die Platte, auf die sich alle Musikredakteure stürzen müssen, weil die Band ausgemachter Konsens ist und man eigentlich alle Stücke kennen müsste, wenn nicht, disqualifiziert man sich automatisch als Horst. Wer zuviel auf sich hält, schreib einfach einen gnadenlosen Verriss, weil seine nachträglich verklärten Heiligtümer Schaden nehmen könnte. Beliebte Floskeln für den Verriss wären hier: Kitschig, belanglos oder auch „Fahrstuhlmusik“ in allen Varianten, auch wenn das so billig ist, dass man dann doch lieber einfach vornehm die Klappe halten sollte. Im Vergleich zur letzten Platte erweitern die Franzosen den Umsetzungshorizont ihrer Coverversionen wieder um ein paar Schritte und überraschen mit ein paar gelungenen Neuinterpretationen der zumeist hinlänglich bekannten Originale. Es gibt auch ein paar Stücke, die nicht hätten sein müssen, weil es bereits grandiose Interpretationen anderer Leute gibt. Oder eine Vorlage wie Depeche Modes „People are people“ von Götz Alsmann, nach dem man sich zweimal überlegen sollte, ob man überhaupt noch mal etwas von der Band überarbeiten sollte. Eingermaßen freuen dürfen sich die Virgin Prunes, Talk Talk, die Go Go’s, Psychedelic Furs und die Talking Heads über zuckersüß-relaxte Vergoldungen ihrer Stücke – manchen wird’s aber auch einfach zu belanglos sein. „Ca plane pour moi“ vom Plastischen Bertrand enttäuscht auf ganzer Linie, weil der Ska so naheliegend war, ebenso „God save the queen“ der Pistols, das man so von jedem Stimmlegastheniker mit Holzgitarre in der U-Bahn hören kann. Sehr edel dafür „Say hello wave goodbye“, das einen Hauch Amy Winehouse abbekommen hat und natürlich „So lonely“ von Police, das zum allerersten Mal so klingt, wie es sich für das Stück dem Text nach gehört. Auch Minimal Compacts „Not Knowing“ klingt als Flamenco richtig klasse. Melancholie und Relaxen kann so dicht beieinander liegen. Es ist zwar nicht alles wirklich gelungen, aber immer noch meilenweit besser als alles was 2Raumwohnung seit der 2. Platte gemacht haben. Die Gastmusiker zu deren eigenen Stücken verkneif ich mir, die schicken sich wahrscheinlich zum Geburtstag auch Blumen mit Floraldi. (PIAS)

THE SUNDAY REEDS-DROWNING IN HISTORY-CD
Heiße Anwärter auf den “Psychocandy-Gedächtnispokal” der Jesus & Mary Chain-Epigonen. Endlich mal eine Band, die es annähernd schafft, in die großen Fußstapfen der Reid-Brüder zu treten, ohne gleich hinzufallen. Allerdings ist das auch nicht unbedingt schwer, wenn man sich wie beim ersten Stück an ein Originalriff von Jesus hält und einfach einen Joy Division-Basslauf dazu gibt. Da aber die Herren Reid keinen Feedbacklärm mehr produzieren und auf Konzerten schon lange nicht mehr nach 30 Minuten die Bühne verlassen, klafft hier eine riesige Lücke, die man ruhig einmal füllen kann. Die Sunday Reeds entfernen sich gerade so weit wie es nötig ist, um nicht als Coverband durchzugehen, sind aber mindestens so nah dran, dass man als Besitzer einer durchgescheuerten „Psycho“-LP frisches Blut riecht. Das monotone Schlagzeug, die fiesen Feedbacks, der einfühlsame (hier weibliche) Gesang, der dem Ganzen die nötige Melodie gibt, es ist alles da was das Herz eines melancholischen Teenagers (und meines) erfreut. So nah war bisher kaum einer am Original wie dieses Duo. (Squirrel Records / squirrelrecords.co.uk)  

JANE’S ADDICTION-A CABINET OF CURIOSITIES-3xCD+DVD-BOX 
Ende der 80er machte ich Bekanntschaft mit einem Amerikaner, der ohne mit der Wimper zu zucken bereit war, seine Misfits-Originalsingles gegen europäische Promos, Bootlegs und Mitschnitte von Jane’s Addiction zu tauschen. Ein mehrfach einträglicher Deal, zumal ich so nebenbei die Bekanntschaft mit einer der aufregendsten Bands machen konnte, die mich seinerzeit aus dem Punk-Rock-Einerlei rissen, denn wenn jemand derart verrückt nach einer Band war, dann musste etwas Besonderes dran sein. Ohne Jane’s Addiction würde die Musikwelt heute ein wenig anders aussehen. Auch wenn die Kohle andere gemacht haben, wurden die neuen Standards durch Perry Farrell, Eric Avery, Dave Navarro und Stephen Perkins gesetzt, wenn nicht durch Jane’s Addction, dann durch die Lollapalooza-Festivals, die von Farrell initiiert wurden. Crossover durch alle möglichen Musikstile, einer riesigen Portion Groove, Style und alles mit Punk im Herzen, nie wieder hat eine Band das so vereint. Als Hinterlassenschaft gibt es hier nun einen edelst aufgemachten kleinen Holzschrein mit drei CDs und einer DVD, einem edlen dicken Booklet, Tarotkarten und vier kleinen Voodoo-Puppen, definitiv nichts für Grobmotoriker. Die randvollen CDs beherbergen jede Menge unveröffentlichte Aufnahmen, Demos, Livematerial, Single-B-Seiten und Promo-only-Stuff, das man als Fan zwar von zahlreichen Bootlegs kennt, nun aber erstmals in einwandfreiem Sound hören kann. Auf der DVD befindet sich das komplette Soul Kiss-Video, sämtliche Videos und ein MTV-Special. In jedem Fall das am schönsten aufgemachte Release der letzten Jahre und eines der schönsten Geschenke, das man sich machen kann. Bin hin und weg! Einziger Nachgeschmack: In den USA gibt es eine ultralimitierte Version mit einer weiteren kurzen Bonus-Live-CD. (Rhino / rhino.com)  

THE MANHATTAN LOVE SUICIDES-BURNT OUT LANDSCAPES-CD
Hmm, erinnert sich noch jemand an Fuxxbox oder frühe Primitives? Drumbox (ufta, ufta), zuckersüßer Gesang und schrammelige Gitarre drauf, fertig?! In diesem Fall nur die halbe Wahrheit, denn den Rest füllen die Damen und Herren mit den Gitarren und Kratzgeräuschen von Jesus & Mary Chain auf. Passen gut zu den Labelkollegen „SUNDAY REEDS“ und können gemeinsam auf ihre Schnürsenkel starren, falls sie mal zusammen auftreten sollten. Klingt auch auf CD äußerst kratzig und staubig, wie eine abgenudelte Platte, aber in jedem Fall äußerst sympathisch. Bei der Platte handelt es sich übrigens um eine Sammlung rarer Tracks, B-Seiten und Restmaterialen, die trotzdem wie aus einem Guss klingen. Wer die Primitives mit etwas mehr Lärm und Spielvermögen mag, der kann hier getrost zugreifen. (Squirrel Records / squirrelrecords.co.uk)  

OFFICIAL SECRETS ACT-UNDERSTANDING ELECTRICITY-CD
Die Platte krankt an derselben Krankheit wie ihr Liveauftritt: sind die drei bis vier wirklich guten Stücke aufgebraucht, driftet das Ganze sehr schnell in die Belanglosigkeit ab. Dummerweise haben sie die drei Singletracks auch gleich an den Anfang der Platte gesetzt, danach möchte man erst einmal an den Kühlschrank gehen, um dort nach dem Rechten zu sehen. Ist man rechtzeitig zurück, kommt mit „Hold the line“ noch mal ein gutes Stück, danach wird’s albern bis unerträglich schmalzig. So oft kann ich nicht auf’s Klo, so viele Pflanzen hab ich nicht zu gießen. Spätestens bei „Bloodsport“ denkt man an Kajagoogoo und weiße Discoklamotten. Als 4-Track-Maxi eine klasse Sache, aber als CD wie Sex auf Viagra. Am Anfang freut man sich noch über den Ständer, aber spätestens, wenn man pissen muss, wird’s ziemlich lästig. Musikalisch im Kielwasser von Boxer Rebellion, 80er-Retro, UK-Indie-Pop und sehr viel Pressehype. (One Little Indian / indian.co.uk)  

WE HAD A DEAL-THE WORLD OWES YOU NOTHING-CD
Ich muss mich wohl damit abfinden, dass man bei der richtigen Suche im Netz zuerst einmal etwa zehn Seiten bekommt, auf denen man die Platte von irgendwelchen Servern herunterladen kann, statt auf die Bandseite zu gelangen. Nicht gut, andererseits postet kein Schwein Platten, die nix taugen. Und „the world owes“ taugt richtig. War ich live schon von den jungen Herren aus dem Nachbarstädtchen äußerst angetan, weil der Sound sich auf Anhieb von der breiten Screamo-HC-Masse deutlich abhebt, ist die CD nochmal eine Überraschung. Ich entdecke keine Leichtsinnsfehler, keine der üblichen  Kinderkrankheiten und keinen Platz für lahme Entschuldigungen, denn die Platte klingt großartig, die Stücke ausgereift, sie lassen sich an den richtigen Stellen Zeit und geben bei  denen Gas, an denen es sein muss, keine Machoposen, metalfrei, reiner, purer Hardcore, kein überhasteter Erstling mit Krupphusten, kein Frühchen, das zuerst noch in den Brutkasten muss. We Had A Deal sind erst am Anfang und schon jetzt so erwachsen, dass es fast weh tut, angesichts der Massen an Bands, die es über Jahre nicht schaffen, etwas Besonderes herauszuarbeiten, dass sie von anderen unterscheidet. Klasse Texte, stimmiges Gesamtkonzept, und sie haben etwas, was vielen anderen Bands derzeit fehlt: Tiefe! Außerdem haben sie ihre Punklektionen gut gelernt, was man von manchen Screamobands nicht behaupten kann. Das Beste, was seit langer Zeit aus dem Großraum Stuttgart kam, ohne Scheiß! Live geht da noch viel mehr ... Übrigens auch nach dem zehnten Durchlauf immer noch klasse! Ich kann nur deswegen keine zehn Punkte geben, weil ich einfach weiß, dass da noch mehr schlummert. (Deaf Cult Records / deafcult.org)

GLASSES-SAME-LP
Schon nach den ersten Takten wippt man mit, bis einen der erste Blast aus dem Rhythmus wirft. Gnadenloser Parcours, den die Jungs hier abspulen. Fast wie eine Wildwasserfahrt, bei der man auf ein Schlauchboot gebunden wurde. Langsame Parts münden in gnadenlosem Geballer, bis irgendwer mit einem Ruck die Handbremse anzieht, um dann in den zweiten Gang zu schalten, Groove, Doom, alles, nur keine Grenzen (außer Metalgepimpe, das bleibt draußen). Der Shouter hat rostige Nägel gefressen und durchläuft hier definitiv eine Therapie auf der Platte. Heiße Scheiße von einer Band, die absolut fit an ihren Instrumenten ist und das Zeug gnadenlos rausprügelt. Einseitig bespielt mit Siebdruck auf der Rückseite, stilvolles Cover, extremst geil und satt! Beim Auflegen dieser Scheibe wird die Sonne spürbar dunkler, so düster ist dieses Stück Vinyl. (Vendetta / vendettarecords.de)

HATEPINKS-LIVE AT THE STORK CLUB-LP
Liveplatte der sich eben verabschiedenden Hatepinks, die in jedem der beiden Cover edelst aussieht. Transparentes Vinyl hinter einer bedruckten klaren Plastikscheibe. Erstklassiger Livesound mit den meisten Hits der Franzosen, die hier noch mal richtig Spaß haben und zwischen den Stücken sehr unterhaltsam unter anderem ihr Gastland beschimpfen. Mit dem Ableben der Hatepinks wird was fehlen. (P.Trash / ptrashrecords.com)  

SNIFFING GLUE-I’M NOT ALRIGHT-MLP
Nach ihrem furiosen Gig mit EA 80 in Darmstadt haben die Jungs einen dicken Stein im Brett, vor allem, weil ich weiß, dass man dieses Material hier live noch eine Spur härter hören wird. Wer Circle Jerks, Reagan Youth und frühe Black Flag mag, der wird Sniffing Glue lieben, denn sie transportieren die Angepisstheit dieser Bands 1:1 in eine Zeit, die voller Kapellen ist, die lieber nur gefallen wollen, anstatt auf die Kacke zu hauen. Nur das Zwischenformat der Mini-LP macht es etwas schwer, denn für den vollen Genuss zu kurz, für eine Single zu lang, verschwindet dieses Format immer sehr schnell aus den Plattenkisten. Zehn Songs, wobei der Bonussong nur mittels aufstehen und Nadel platzieren zu erreichen ist, machen vor allem Lust auf ein weiteres Konzert mit der Band. (Barfight Records / myspace.com/sniffinggluepunk)  

AUTISTIC YOUTH-I WANT TO SEE EVERY TOWER FALL-7”
Unglaublich produktive Band, die immer noch nach den von mir hochgeschätzten Stick & Stones und klassischem 80er Hardcorepunk klingt, nur ohne dessen Produktionsschwächen. Vier gute Songs, schöne Textbeilage mit Farbposter auf der Rückseite, bleiben keine Wünsche offen! (Rock Bottom / autisticyouth.com)  

CIVIL VICTIM-MEHR KRIEG-7”
Schön angepisster und in einem Affenzahn heruntergespulter Hardcorepunk ohne viele Schnörkel, der nicht so geradlinig ist, dass es stumpf wäre. Einziger Kritikpunkt: das Cover, obwohl das gestalterisch noch um Längen besser aussieht als das der letzten EP. (Loud Punk / myspace.com/civilvictim)  

KRIEGSHÖG-HARDCORE HELL EP
Ja, so klang es in Japan, bevor das Haarspray und Metalsolis von der Nippon-Regierung erfunden wurden, um die Szene zu schwächen. Brutaler Sound, Rückkopplungen, kratzig, Discharge auf 45 und an manchen Stellen so, als würde das Schlagzeug die Treppe runterfallen, dazu ein bissiger Shouter, der mehr bellt als brüllt. Killer! Natürlich Retro, weil klassischer Japcore wie Gauze, Outo, Zouo, Confuse, Lipcream und Konsorten, nur eben 2009. Hardcore, so wie er sein muss!!! Stilsichere Aufmachung (nur der Schlagzeuger hat keinen Patronengurt), 6x in die Fresse. (HeartFirst / heartfirst.net)  

THE MISSING SHADOWS-WRECKED EMOTIONS E.P.-7”
Mit verbundenen Augen (und wegen des Akzents) hätte ich die Jungs ohne zu zögern nach Dänemark verortet, aber da läge ich wohl falsch. Ähnliches Kaliber wie die Idle Hands oder Aggravation. Klassischer US-Punk-Rock-Sound mit leichtem Wipers-Einschlag. Sechs kleine Perlen, sehr gut, sicher sehr schnell weg und morgen schon so gesucht wie ein Hocker aus dem Bernsteinzimmer. (Timme Heie Humme Records / myspace.com/timmeheiehummerecords)  

HATEPINKS/CHINESE LUNGS-SPLIT-7“
Wunderschönes buntes Vinyl mit einer Hälfte klarem gesprenkeltem (gelb) Vinyl und einer Hälfte milchig-gesprenkeltem (pink). Sieht sehr schön aus und macht was her. Von den Hatepinks und den Chinese Lungs gibt es jeweils zwei Songs, die zumindest bei den Hatepinks extrem ausgereift klingen. 2x 77er-Punk der besseren Sorte auf einem wunderschönen Stück Plastik. (TKO Records / tkorecords.com)  
 
HAUNTED GEORGE-THE BUZZARDS ATE HIS FLESH-7”
Geil, auf 33 klingt die A-Seite eirig und völlig untertourt, wird aber auf 45 nicht besser, außer dass die Vocals da zu Blackmetal mutieren. Eiern tut es auf jeden Fall, was offenbar gewollt ist, vielleicht um den Spooky-Faktor zu erhöhen. Die B-Seite kann man anhören, klingt fetter als sonst, weil eine zweite Gitarre dabei ist. Gewohnter Sound vom gejagten Schorsch, der hier wissentlich eine zur Hälfte undelektierbare Single produziert hat. (Savage records / savagemagazine.com)  

GASLIGHT ANTHEM-THE ’59 SOUND-7”
So, damit müsste nun auch die letzte Single aus der LP rausgequetscht sein. Auf der B-Seite gibt’s als Pearl Jam-Cover „State of love and trust“ live in NY, das aber irgendwie nicht zündet und unter dem dünnen Sound leidet wie Wassereis in der Sonne. Klares Vinyl, und eindeutig die schwächste Single der `59 Sound Auskoppluns-Reihe. (Side One Dummy / sideonedummy.com)  

I WALK THE LINE-BLACK WAVE-7”
Hrm, normalerweise heißt die Devise bei Punk-Singles ja “all killers, no fillers”, aber die B-Seite hier ist eine klassische B-Seite, die den – zudem teuren – Kauf der Single nicht wirklich rechtfertigt, denn der Titeltrack ist zwar gut, aber auch auf der letzten LP und hätte dort locker Platz gehabt, wäre dann aber einer der schlechteren Songs gewesen. (Combat Rock Industry / combatindustry.net)  

OFFICIAL SECRETS ACT-SO TOMORROW + THE GIRL FROM THE BBC 7”s
Zwei Singles, die in alter Pop-Tradition veröffentlicht wurden. Soll heißen, dass die B-Seiten aus Studioresten bestehen, die gegen die A-Seiten meilenweit abstinken und eigentlich nur eine Fußnote am Rande des Gesamtwerks darstellen. Auch hier hätten beide B-Seiten locker auf den aktuellen Tonträger gepasst, aber Vinylsingles sind auf der Insel scheinbar immer noch ein Zeichen für Indiecredibilität. Dabei haben nur die EDITORS in den letzten Jahren wirklich brauchbare B-Seiten produziert. So unnötig wie ein Schoko-Nikolaus zu Ostern. (One Little Indian / myspace.com/officialsecretsact)  

PRESS GANG-SEXSATAN-7“
Auf Platte klingt das gegen das, was die vier Jungs auf der Bühne abfackeln, geradezu zahm. Solider frühachtziger Hardcorepunk aus Übersee wurde seit über zwanzig Jahren nicht mehr so erfrischend aus den Boxen gerotzt wie von den Münsteranern. Fünf nihilistische Kracher auf einer weißen EP, die das Beste aus LA und SF von damals vereinen. Alles durch eine Zeitmaschine gequirlt, den Staub abgebürstet, fertig. So gut, dass es nicht eine Sekunde lang nach Retro riecht, und live sowieso eine Klasse für sich. (Hardware Records / hardware-records.com)  

BEN RACKEN-+-CD
Beurteile ein Buch nie nach dem Umschlag und eine CD nie nach dem Cover, auch wenn meistens ein Zusammenhang zwischen Artwork und Musik besteht. Die drei Herren in fortgeschrittenem (meinem) Alter täuschen das Auge, denn trotz freier Oberkörper gibt es keinen Muckibudenhardcore und kein Wechseljahretestosteron,  sondern überraschend guten Punk, bei dem man nicht umhin kommt, den Namen einer Mönchengladbacher Band als Referenzpunkt zu nennen. Das Original bleibt zwar das Original (wer hat’s erfunden?), aber Ben Racken machen sich sehr gut zwischen den anderen Infizierten, ob sie nun Die Strafe, LSK oder wie auch immer heißen, außerdem machen sie  nicht die Fehler der jüngeren Epigonen, 1:1 sein zu wollen oder zuviel Pathos aufzutragen. Ben Racken geben einfach so viel eigenes Profil dazu, dass es passt. Da ist noch ein bisschen Hamburg, ein wenig Fliehende Stürme, mit im Spiel, außerdem macht das mitunter einfache Vermaß, auf das man in Magdeburg meistens nicht verzichten will, einen Unterschied. „Fluss“ ist ein verdammter Hit, auch sonst gibt es keinen Durchhänger, sondern bis auf das Cover (ein Punkt Abzug) eine sehr gute erwachsene Platte. Eine weitere Scheibe ist in Planung. Wo die Optimierungsmöglichkeiten liegen, sticht sofort ins Auge, alles andere kann so bleiben, ich bin jedenfalls gespannt und angenehm angetan. (myspace.com/benracken) 

 

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