REVIEW MEINE OHREN
Februar/März 2005
THE CRIMSON GHOSTS-LEAVING THE TOMB-CD
So manche Tribute-Band ist heute wertvoller als das ursprüngliche Original. Die einen, weil sie im Gegensatz zum Original noch existieren und die Coversongs mit weit mehr Enthusiasmus unter das Volk werfen als es die müde gewordenen Altvorväter je getan haben. Andere lösen sich aus dem Schatten ihrer Vorbilder und fangen an, eigene Songs zu schreiben, die zwar von den Vorbildern beeinflusst, aber nicht einfach nur geklaut sind. Die Crimson Ghosts gehören zu beiden Kategorien, einerseits, weil das, was man von den Misfits noch sieht, nur ein müder Karnevalsverein mit Zirkuscharakter ist, andererseits, weil die Crimson Ghosts mit „Leaving the tomb“ eine beachtliche Platte in bester Misfits-Manier (2. Ära ohne Deen Glanzig) eingespielt haben, die so klingt, wie die Misfits mit Michael Graves vor dessen Neokonservativschub geklungen haben. Bin angenehm überrascht, dass die Platte so dicht und kräftig in die Pedale tritt, ohne dass man an irgendeinem Punkt denkt „hoppla, das ist doch das Riff von ... äh, Dingsbums“! Weit genug vom Original entfernt, um eigene Brötchen zu backen, nah genug, um den Bezug noch ganz klar erkennen zu können. Schwieriger Seilakt, bravourös gemeistert. Für ein Debüt sehr gut, auch wenn noch nicht jeder Song kickt, bleiben genug, um uns für die Länge dieser Platte vergessen zu lassen, wie groß die Lücke doch war, die „der Misfits“ gerissen hat. Angenehme Überraschung!!! (Fiendforce)

THE DEAD-ANTHEMS TO WORLD DOMINATION-CD
Im Vorfeld hochgelobte Platte auf einem Green-Hell-Ablegerlabel. Wenn man die Vorschusslorbeeren, die hier verteilt wurden, nicht in der Relation zur Nähe des Vertriebs und Labels sieht, kann man glatt darauf ausrutschen oder man fragt sich, ob man hier vielleicht einfach etwas nicht kapiert hat. Nun, wenn The Dead die Messlatte an derzeitigen Hardcoreacts darstellen, dann kann nicht mal ich aufrecht drunter durch gehen. Nicht, dass das Ganze schlecht wäre, aber sooo grandios ist das eben einfach doch nicht. Von allem etwas dabei, Moshparts, ein paar knallige Gitarrenriffs und etwas jugendlicher Pathos darf auch nicht fehlen. Hatten wir alles schon, da leg ich mir eine „Break down the walls“ auf, eine „Tied down“ oder auch eine „NY Crew“, mach mir ein Mixtape und habe mehr feste Nahrung zu mir genommen. Einfach nicht neu, nicht wirklich herausragend und definitiv nicht besser als die erkennbaren Originale. Vielleicht würde es mir besser gefallen, wenn das Schlagzeug nicht über die Hälfte der Songs diesen Hasenhoppelrhythmus spielen würde, dazu auf einer Tom, die klingt wie ein Dash-Pappeimer (wenn diesen Sound noch jemand kennt). Kann man einem 16- oder 17jährigen durchaus als grandios verkaufen, aber nicht jemandem, der Youth of Today (mit einem Gitarristen, der trotz Gips spielte) gesehen hat und bei Gorilla Biscuits im Pit war. (Ratpack)

SS ULTRABRUTAL-GLOBAL BRUTAL-CD
Das könnte den Rekord für die längste Wartezeit auf eine zweite Platte wenigstens einstellen. Nur ein knappes Fünfteljahrhundert nach dem Erstling von SS Ultrabrutal erscheint das Zweitwerk. Nun, jünger sind die Burschen nicht geworden, präsentieren sich aber trotzdem stolz als Gesichtsälteste auf dem – äh – geschmackvollen Cover, das zwar nicht besonders schön, aber dafür bunt ist. Über Geschmack lässt sich beim Coverartwork nicht viel streiten, denn so sehen extreme Gehversuche an einem digitalen Bildbearbeitungsprogramm bei Bedienungsanleitungsverweigerern nun einmal aus. Hauptsache bunt, viele Filter reingeknallt und noch etwas mehr Farbe. Zum Glück geht es aber um Musik, und die ist zumindest in der ersten Hälfte unverkennbar SSUB, unverkennbar alte Hamburger Schule und knallt so rotzig rein, als wären die zwanzig Jährchen zwischen Monstren, Mumien, Mutationen nur ein paar Wochen. Unverkennbarer Gesang, der das an Gift und Galle auskotzt, was viel zu vielen Bands heute abgeht. 1A Pogopunk mit Hitcharakter, jeder Menge Songs auf der guten Seite und garantiert ein Klassiker, wenn er um 84/85 erschienen wäre. Soweit so gut! In der zweiten Hälfte machen sich dann allerdings ein paar Alterserscheinungen bemerkbar, mit Songs, die aus gewöhnlichen Rockriffs mit Solieinsatz bestehen und ein wenig zuviel der Ernsthaftigkeit beinhalten, um den Pogomob nicht zum Stillstand zu bringen. Ich möchte wetten, dass ein Song wie „Schwerelos“ live gespielt einen Run an die Theke verursachen wird. Diese Ballade ist aber zum Glück die einzige Ausnahme und der Großteil der Songs ist wirklich von der allerbesten Sorte aus dem Filet geschnitten. Nur über das Coverartwork kann man sich noch endlos streiten. (Mata Hari)

APOCALYPTICA-SAME-CD
Ok, diesmal schiebt das Label die DeLuxe-Edition nicht arschlochmäßig ein paar Wochen später hinterher, diesmal sieht es so aus, dass die Zuerstkommer das bekommen, was ihnen zusteht, ein wenig mehr nämlich. Das wäre dann das Bittersweet-Video, ein Player mit Zugang zu weiterem Onlinematerial und dreimal derselbe Bonussong in verschiedenen Sprachen. Immerhin! Der auf der letzten Scheibe eingeschlagene Weg wird konsequent weitergegangen, ab und an Songs mit Gastsängern, Schlagzeug und das Cello ersetzt eine komplette Metalband, wobei die Bandbreite von klassischem Heavy Metal bis zu hin zu kurzen Speedattacken reicht. Einige Songs sind großartig, einige sind gerade einmal guter Metal-Schnitt, bei denen nicht einmal auffällt, dass hier keine Gitarren am Werk sind. War die Batterie bei Reflections mit Dave Lombardo großartig besetzt, kann der neue Schlagzeuger das vorgelegte Niveau nicht so ganz halten, wenn man das mal jetzt vornehm formulieren möchte. Weniger vornehm formuliert: Der Mann spielt größtenteils dieselben Rhythmen und weitgehend eintönig. Die guten Songs retten die Platte einigermaßen ins Mittelfeld, wobei sich Apocalyptica entscheiden sollten, wo ihre Stärken liegen, in den schnellen Trashern oder in den Songs, die mit klassischen Elementen und Tiefgang glänzen. Live immer wieder eine Bank, auf Platte unter ihren Möglichkeiten, wieder einmal. (Universal)

VEGAS-SAME-CD
So, nun gibt es die erste CD von Vegas ... die besteht aus den ersten beiden Demos, die in den älteren Reviews nachgelesen werden können. Lediglich die Reihenfolge hätte ich umgestellt, denn das zweite Demo hat etwas zu wenig Gitarren abbekommen und so knallt es erst in der zweiten Hälfte richtig. Hardcore, wie er sein sollte, bösartig, nihilistisch, ohne Kindergartenmetalfrickeleien von halbstarken Pickelfressen auf Sodabrause. Harter Sound von echt harten Kerlen, die ihre Freundinnen nicht mit auf ein Konzert schleppen, nur damit ihnen jemand den bescheuerten Rucksack hält. Jaja, die Jungs von Vegas posen nicht nur einfach rum, die meinen es bitterernst, und sie klingen dabei auch noch verdammt gut!!!!! 

WORLD INFERNO FRIENDSHIP SOCIETY-SPEAK OF BRAVE MEN-MCD
Drei neue Songs in erstaunlich spitzenmäßiger Soundqualität. Scheint so, als hätten WIFS zum allerersten Mal ein Studio erwischt, in dem sich auch wirklich alle Musiker und Instrumente angemessen auf ein Band bannen ließen. Die drei Songs sind wie gewohnt großartig, im bekannten Sound, der sich aus Jahrmarkt, Zigeunerfest, Heilsarmeekapelle und Postpunk zu diesem eigenständigen Sound zusammensetzt, den keine andere Band auf diesem Planeten so hinbekommt. Auch als 7“ zu bekommen, da aber nur mit zwei Songs ... (Gern Blandsten)

AUDIO KOLLAPS-MUSIC FROM AN EXTREME SICK WORLD-CD
Passend zum roten Faden, der sich durch alle Texte von Audio Kollaps zieht (Krieg, Tod und Zerstörung) gibt es auf der CD-Version ein wunderschönes Apocalpse Now-Rip-Off auf der Vorderseite (die 12“ sieht dagegen etwas profaner aus und hat außerdem nur die sieben neuen Songs, statt zwölf wie auf der CD). Audio Kollaps gehören zu den Bands, die an die Hersteller der Marshall-Verstärker jedes Jahr zu Weihnachten einen langen Dankesbrief schicken. Habe Audio Kollaps einem Kollegen in die Hand gedrückt, der meinte, dass sein Techno-Schrott „harte Musik“ wäre und den Suppenkasper damit mühelos eines Besseren belehrt. Wie gehabt: Grunzröchelvocals über einem satten Schlagzeugsound, einer wahnsinnigen Gitarrenbetonwand, alles zusammen vor einem Mörderbass. Bester Crust mit Noiseattacken (bei denen man meinem möchte, die Jungs könnten nicht wirklich spielen), die fließend in solides Zusammenspiel übergehen (dann merkt man, WIE gut die eigentlich ihr Werkzeug beherrschen). Als CD-Bonus gibt es die Songs der Wolfbrigade Split-EP und einen Rattus-Tribute-Song, allerdings in merklich dünnerem Soundgewand. Heftiges Brett, das in der Crustlärmliga ganz vorne angenagelt hängt!!! (Crimes against humanity/Epistrophy)

LE TIGRE-THIS ISLAND-CD
Einen großen Unterschied zwischen “This island” und dem Vorgänger kann ich nicht feststellen. Trotz Veröffentlichung auf einem Major hat sich nicht großartig viel getan, ein ganz klein wenig poppiger und straighter produziert ist das Ganze vielleicht, aber sonst kann ich keine negativen Auswirkungen ausmachen. An solchen Scheidewegen wünscht man einer Band wie Le Tigre dann auch gerne viel Erfolg, oder besser noch viel Glück, denn das werden sie nötig haben, um die nächste Platte auch noch auf diesem Label veröffentlichen zu können. Massenkompatibel, zumindest in den Verkaufszahlenregionen, die für ein Majorlabel wie Universal „zählen“, ist das jedenfalls nicht. Aber wir werden sehen, ob es genügend Menschen da draußen gibt, die sich mit dem Elektrodiscominimalpunk und den quietschigen Vocals von Kathleen Hanna anfreunden werden können. Mir gefällt es jedenfalls keinen Deut weniger als die Vorgänger. (Universal)

DETROIT COBRAS-BABY-CD
Das bewährte Konzept wird beibehalten, alte Singleklassiker vom Flohmarkt werden durch die Detroit Cobra-Jukebox geschleust und klingen aufpoliert einfach herrlich. Bei dieser Band stört es überhaupt nicht, dass sie sich ausschließlich durch alte Soul- und Motown-Klassiker covern, denn wer hier noch alle Originale kennt, der ist schon lange tot oder wenigstens am Tropf. 

THE KILLERS-4.-7“
Wunderschöne Picture-EP in ebenso schönem Cover, die man alleine schon wegen des Aussehens kaufen sollte. Das zweite Kaufargument ist der bösartig-heisere Killers-Sound, der zwischen gebremsten Filth und etlichen anderen gemeinen Bands liegt. Dabei schleppen sich die Jungs schmerzhaft durch ihre Songs, die keinen Spaß machen wollen, sondern zäh und klebrig dort die Poren verstopfen, wo man Luft zum Atmen benötigen würde. Die Killers sind kochend heißer Teer, der Dir ganz langsam auf dem Rücken und den Fußsohlen verteilt wird. Definitiv keine Musik für fröhliche Tage!!! Hm, „Hater of God“ als Label machen auch keine schlechten Platten, da sieht jede Veröffentlichung edel aus!

STEAKKNIFE-STUFF 1991-2004-CD
Die “neue” von Steakknife ist nicht wirklich zu 100% neu, sondern eine Werkschau aus rarem, unveröffentlichtem, bereits bekanntem Material und ein paar Remixen. Zusammengewürfelt ergibt das zwar nicht ganz ein Best-Of, aber einen repräsentativen Querschnitt durch das Schaffen der Band, die als Ankry Simons begannen und (ich glaube es war auf einem Konzert in Nagold) zu Steakknife mutierten. Eigentlich erstaunlich, wie kompakt das Ganze trotz der Spanne von über 13 Jahren klingt. Die CD ist wie ein Mixtape von Steakknife, das man sich so oder so ähnlich wohl auch selber zusammengestellt hätte, und endlich, endlich gibt es Bill Gates Money mal in einer ehrwürdigen Liveversion. Definitv eine der besten Bands, die man sich live immer wieder ansehen kann!!! (Nois-O-Lution)

ANTISEEN-ONE LIVE SONOFABITCH-2xCD+DVD
Reissue der ursprünglich als Einfach-CD in popeligem Pappschuber erschienenen Liveplatte, hier mit einer zusätzlichen Live-CD, mit bisher unveröffentlichen Liveaufnahmen von verschiedenen Gigs und einer zweistündigen DVD, die weit mehr Spaß bereitet als die ziemlich missglückte Anniversary-Show. Alleine das Livesammelsurium der zweiten CD lohnt schon die Anschaffung, da hier auch Songs von raren, längst nicht mehr erhältlichen Samplern und Fanzinebeilagen enthalten sind. Der Sound ist dabei durchgehend gut bis sehr gut, alles in allem, so wie man es von Antiseen gewohnt ist und auch erwartet, keine Überraschungen, aber auch keine Enttäuschungen. Auf der DVD eine Barbed Wire Show, eine Halloween Show und das, was in kleiner Auflage mal als „Destructo Documentary“ in nicht so guter Qualität die Runde machte. Volle Asi-Packung um die Ohren in sehr gutem, weil remasterten Livesound, dazu auch noch was auf die Augen zum akzeptablen Preis, was willst Du mehr? (Steelcage)

DEATHSQUAD-1939 DEMO-7“
Hölle, bisher war jede Veröffentlichung dieser Band jeden einzelnen verdammten Cent wert, und daran ändert sich auch mit dieser EP nichts. Grandios angepisster Hardcore, mit genau den Ecken und Kanten, die es braucht, um sich von den Bubibands und Realschulcombos abzusetzen. Musik für zornige Menschen, viel Attitüde, Provokation, Geste und Image, alles da. Natürlich kein „Demo“, sondern 1A-Studiosound von einer der ganz wenigen Bands, die sich aus diesem Genre überhaupt noch lohnt. Hardcore, so wie er ursprünglich mal gemeint war, provokativ, zynisch, messerscharf, authentisch und erkennbar als Weiterentwicklung von Punk gemacht. Grandios!!!

OMA HANS-PEGGY-LP/CD
Im Gegensatz zur letzten großartigen Oma Hans-Platte gibt es hier NOCH MEHR der Gitarrenriffs, die ein Herr Namens Greg Sage mit seinen Wipers schon vor einhundert Jahren kultiviert hat. Oma Hans stehen diese Gitarren sehr gut ... genug gesagt, denn ansonsten hat sich am bewährten Sound nicht geändert! Eine der wenigen Bands, die Du derzeit auf jeden Fall kennen solltest!!! (Schiffen)

REPOS-SAME-LP
Noch eine Killerscheibe, so kann es 2005 ruhig weitergehen. Diese Mini-LP (mehr ist es nicht, mit den knapp zwanzig Minuten Spielzeit), die mit kleinen drucktechnischen Lackspielereien gleich sehr viel edler aussieht, beginnt mit einem Black Flag-Riff und holzt dann dort weiter, wo uns die gesegneten Sepic Death vor nunmehr zwanzig Jahren verlassen haben. Der Sänger klingt zum Glück nicht nach Pushead und die Gitarren sind nicht ganz so schrill, sonst würden wohl einige ganz Schlaue das einem wohl als „verschollene Septic-Aufnahmen“ um die Ohren hauen. Unverkennbar, in welche Richtung es gehen soll, aber wenigstens soviel Abstand, dass eine Verwechslung nicht selbstverständlich ist. Heftige Platte, die einem einmal mehr ins Gedächtnis ruft, wie wenig das Loch bisher gestopft wurde, das die Jungs um Brian Schroeder hinterlassen haben. Für alle Fans dieser Band eine strikte Empfehlung, dem Rest empfehle ich zusätzlich auch noch das Original!!!

KAJUN SS-SAME-MLP
Einseitig bespielte und als Instant-Rarität vorprogrammierte Platte, die durch rotzigen KBD-Sound aus der angepissten 77er-Ecke brilliert. Durch und durch wütende Songs, die auf gekonnt dilletantische Weise heruntergeschrubbt werden, dass es eine Freude ist. Die Band ist nicht für die Ewigkeit konzipiert, immer bereit, sich aufzulösen, sobald die Jungs anfangen, ihre Instrumente zu beherrschen. Natural born redneck-Sound aus den Sümpfen der Südstaaten und die Platte mit den meisten Rillen ever. Normalerweise sind es ja nur zwei Rillen, aber hier gibt es auf der unbespielten zweiten Seite endlosen Kreisverkehr.

HARD SKIN 
Die Jungs wissen wie OI funktioniert, ziehen alle Register und Klischees mit Bravour durch und spielen damit locker eine der besten LPs des Genres ein. Wenn man nicht wüsste, wer dahinter steckt, dann wäre das DIE OI-Platte der letzten zwanzig Jahre, aber da die Jungs das nicht ganz ernst nehmen, fehlt das Ziel. Was bleibt: Weißes Vinyl, grandiose Texte, eine Platte, die sogar mir Spaß macht, obwohl mir OI an sich sonst aufgrund seiner bierernsten und konservativen Zutaten auf Dauer ziemlich auf den Sack geht. Hard Skin sind die seelenverwandten Insulaner der Ärzte, nur eben für Oi statt für Punk. Grandiose Platte, alleine wegen der Erkenntnis, die sich beim Durchlesen der Texte einstellt, SO stumpf ist OI wirklich ... Hardskin sind für mich die einzige aktuelle Oi-Band, die gerade wegen der ironischen Sichtweise überhaupt funktioniert.

THEE FLYING DUTCHMEN -DANCE-7“
Wow, lärmiger Monosound aus den tiefsten Kellerlöchern, der dennoch in den Hintern tritt. Die fiese Orgel und eine Energie, die andere mit 1000 Watt nicht hinbekommen ... da war doch mal was! Stimmt, die Mummies waren da mal, und die dürfen hier auch als Referenz herhalten, denn die fliegenden Polderstruller sind würdige Nachfolger. Mut zu LoFi, aber gekonnt!!!

OH 87
Geschichte schreibt man am besten selbst, wenn sie sonst schon keiner schreibt! Das dachten sich wohl auch Offensive Herbst aus Verden, die uns zwar einiges Tonschaffen hinterlassen haben, aber nie den Stellenwert inne hatten, wie andere Bands aus dieser Zeit. Aber OH 87 waren trotz des Startnachteils ihrer Herkunft (Katastrophe-Provinz) immerhin wichtig genug, um auf dem ersten Soundtracks zu landen und haben mit dem Verden-DO-EP-Sampler eine der gesuchtesten Platten auf dem Konto. Hier gibt es alle Tracks des Soundtrack-Samplers, den Verden-Sampler (wo die Band gleich unter mehreren Pseudonymen auftrat), die Split EP mit Saab, die OH 87 EP, Tapes, noch mehr Samplerbeiträge etc., genug Stoff also, der im Original teuer genug ist, um sich den Vinylschoner hier anzuschaffen. Auf der zweiten LP gibt es dazu noch ein Liveset in gutem Sound, das die Band wesentlich roher als im Studio zeigt. Alles in allem sehr ordentlich, lohnend, sehr liebevoll gemacht und besser als ein Bootleg, den man von OH 87 vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte, obwohl, nachdem schon so gut wie alles durch ist, fehlen nur noch ein paar Sampler und eben Bands wie OH 87. Sehr guter früher deutscher Punkrock, ohne viele Großstadteinlüsse. Eine gute Geschichtsstunde von Leuten, die sich Punk selber beigebracht haben und von daher unnachahmlich authentisch sind.

FIYA-MAKE JOY, MAKE STRENGHT-CD
Band aus der einzigen Stadt in Florida, bei der man automatisch eine Schublade im Kopf öffnet, und die eine lebendige Musikszene vorweisen kann, Gainesville. Klar, hier sitzt das No Idea-Label, hier kommen Hot Water Music her und irgendwie müssen diese Namen auch alle bei einem Review zu einer Band aus dieser Stadt fallen. Ganz so weit hergeholt ist das dann auch nicht: Hochmelodischer, energischer, extrem dichter und treibender Gitarrensound, etwas direkter und verzweifelter als HWM und in manchen Momenten klingt der Sänger sogar nach einer Band aus Seattle, deren Name besser außen vor bleibt, um niemanden auf dumme Gedanken zu bringen. Kleine Spurenelemente von Leatherface, ein paar Streusel von gefühlsbetonteren Bands aus Washington D.C. obendrauf, mehr Ideen und Melodien in einzelnen Songs als andere Bands auf einer gesamten Platte verbraten, großartig. Die Jungs kommen im Sommer auf Tour, ich freu mich jetzt schon. (Deadtank)

 

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