REVIEW MEINE OHREN
Juni 2002
 
RAZORS-SAME-LP
Der überstrapazierte Begriff „Deutschpunkklassiker“ ist hier so fehl am Platz, wie falsch zugleich. Deutschpunk suggeriert bei mir automatisch teutonischen Sound oder wenigstens deutsche Texte. Die Razors singen aber nicht auf Deutsch und der Sound ganz und gar nicht ist „teutonisch“. Zwar ist es klassischer Punk, aber doch klar orientiert an England oder frühem US-Hardcore. Ein echter „Hamburg-Klassiker“ wäre treffend, denn die Bands aus der Hansestadt waren schon immer etwas anders, derber, härter, früher und auch irgendwie erwachsener. Mein Original, das bereits 1980 auf Rock-O-Rama erschienen ist, habe ich seit 1981 im Plattenschrank und inzwischen so oft gespielt, daß der Sound der Platte aufgrund der Lebensweise einer Platte, die oft gespielt wurde, noch härter und kratziger geworden ist. Die Razors gehören zu den Bands, die ich nennen würde, wenn mir jemand die Frage stellen würde, welche Platten und Bands Anfang der 80er „wichtig“ für die Entwicklung der deutsche Punkszene waren. Um drei Bands aus Hamburg zu nennen, würde ich mich ohne langes Zögern auf die Buttocks, Slime und eben die Razors einigen. Gerade die Razors, denn von den genannten waren sie am britischsten, was cool war, denn die klangen zwar wie Briten, waren aber keine Inselaffen und steckten locker das Gros der zweiten UK-Welle in die Tasche. Songs wie „Dope maniacs“, „we love you“, „subway“ oder „enemy“ sind auch nach 22 Jahren noch genial und besser als das Meiste, das heute erscheint und sich modernster Studiotechnik bedienen darf. Hier geht einfach was, das holzt, hat Schmackes und es paßt alles! Offizielle Wiederveröffentlichung, besser so, als ein Boot von irgendeinem Eierkopf, der seine Knisterscheibe auf eine CD preßt. Hat mich gewundert, daß die LP noch von keinem als „Fanclub-Pressung“ (Gott, wie ich diese Wortpanscherei hasse) herausgewürgt wurde. (Vince Lombardy Highschool Records/Mata Hari – www.mata-hari.de)

V.A.-HAMBURGER OBERSCHULE-LP
Eckehard ist wieder da und Vince Lombardy lebt auch noch! Gut ist das und es beschert uns weiterhin 1A Platten aus einer Stadt, die eigentlich immer meinem musikalischen Geschmack getroffen hat. Angekündigt gleich einer Art „Resteverwertung“ aus den ersten zwei Hamburger Schmuddelkinder-Samplern, ist das hier ziemlich tiefgestapelt. Reste sehen für mich anders aus, riechen normalerweise abgestanden oder sie bleiben liegen, weil man das Beste schon rausgepickt hat. Sieht man mal davon ab, daß man die Platte auch „Hake’s Klassenfahrt“ hätte nennen können (immerhin spielt er bei gut 50% der Bands entweder mit oder trinkt deren Backstagebier), schließt die Platte fast nahtlos an den letzten Sampler der Reihe an, ohne großartig abzufallen (nur der Sound könnte manchmal vielleicht etwas weniger kratzen). Norden (die einzige neue Band hier drauf) machen Lust auf mehr, was hoffentlich auch bald geschieht, das Sheep on a tree-Puzzle hat zwei fehlende Teile erhalten und dürfte damit endlich komplett sein (Schande über den, der die LP nicht sein eigen nennt), 3000 Yen runden ihre Geschichte ebenfalls ab undundund ... Zu einer Zeit, in der Dir jedes zweite Plattenlabel irgendwelche Labelsampler umsonst in den Arsch schiebt, in der zahllose Benefiz-, Cover- und Themencompilations erscheinen, ist es schwer, die Relevanz eines „richtigen“ Samplers überhaupt noch darzustellen zu können. Sampler waren früher für mich immer eine angenehme (und günstige) Möglichkeit, neue Bands zu entdecken. Du hast die Platte wegen einer oder zwei Bands gekauft und beim Hören festgestellt, daß darauf noch vier oder fünf andere geile Bands zu finden waren, deren bis dato existentes Gesamtwerk sich im ungünstigsten Fall auf eben diesem Sampler befand. Lange Rede, kurzer Sinn: Sampler gibt es viele, relevante und Sampler mit schlüssigem Konzept nur wenige. Hier ist einer davon! Also, kaufen!!! (Vince Lombardy High School Records/Mata Hari – www.mata-hari.de)

ZEKE-SEASON OF THE WITCH-7“
Hm, riecht nach Zeke, klingt wie Zeke und hat die durchschnittliche Länge einer Zeke 7“. Zwei Songs nur, das kurze und flotte „Season of the witch“ (hey, die Etiketten sind vertauscht) und der Rockstomper „Let’s go“. Vom Tempo her wäre ein Titelwechsel passender gewesen, aber wen kümmert’s? „Let’s go“ rockt gut ab, hat den richtigen sleazy early AC/DC-Touch und macht was her. Für die olle 7“ habe ich drei Wochen auf mein Plattenpäckchen gewartet, aber es hat sich gelohnt! (Safety Pin)

MISFITS/BALZAC-SPLIT-CD
Wie sieht die Demontage einer einstigen Kultband aus? Vier geile Platten machen, auf dem Höhepunkt die komplette Band feuern und dann „Blackacidevil“ veröffentlichen?! Nein, das war Danzig! Dann so: Mit einem der meistgebootlegten und gecoverten Song-Backkatalog starten, nachdem man sich die Rechte am Bandnamen gerichtlich zurückerstritten hat, zwei beachtliche Platten veröffentlichen, fast die gesamte Band feuern, anschließend eine Grabbelcompilation als Vollwertkost verkaufen, um dann nur noch mit dem Namen alleine Geburtstag zu feiern?! Hier wären wir dann bei dem Misfits, was grammatikalisch zwar nicht korrekt aber wenigstens sachlich richtig wäre. Ich will nie wieder „die Misfits“ lesen, wenigstens so lange nicht, bis Doyle wieder da ist und Jerry eingesehen hat, daß er nicht wirklich singen kann. Nun, exakt ein Originalmitglied ist noch übrig, nämlich Jerry Only, der seine Halbglatze langsam mal wie ein richtiger Mann akzeptieren könnte und sich die Devillock besser aus seinen Augenbrauen oder den Nasenhaaren flechten sollte. Besser wär das, so wie jetzt, sieht’s jedenfalls ziemlich scheiße aus. Sein Bruder Doyle holt derzeit erst einmal sein Sexleben mit einer höchstwahrscheinlich recht muskulösen Wrestlingmartha nach, was ich ehrlichgesagt auch sinnvoller finde, statt den Gesangsqualitäten von Jerry Only zu lauschen. Dem „Misfits“ 25 sind derzeit Jerry Only (Gesang, Bass und Nackenhaaransatz), Dez Cadena (Gitarre) und Marky Ramone (Farfisa-Orgel ... Schlagzeug natürlich, was anderes kann der doch gar nicht) und sie basteln an einem Album, auf das die Welt schon sehnsüchtig wartet, eine 50er-Jahre Coveralbum. Cool, Jerry versucht die golden Oldies zu singen und über allem steht das Misfits-Trademark, paßt scho‘. 
Genug gelästert! Schließlich haben wir hier eine wahrlich originelle Platte zu besprechen. Dem Misfits und Balzac nämlich, die sich (äußerst gewagt und vor allem neu) gegenseitig covern. Nun ja, Balzac sehen aus wie gutgekleidete und vor allem noch frisierbare Misfits, kommen aus Japan und sind dort der gelungenste Nachbau in der Kategorie Horrorpunk. Inzwischen klingen sie nicht mehr ganz so roh wie am Anfang und sind etwas poppiger geworden, aber sie sind irgendwie „mehr“ Misfits als „dem Misfits“ 2002 selbst! Immerhin ganze 8 Minuten geht dieses „Juwel“, bei dem man schon ganz genau hinsehen muß, bis man begreift, daß es sich nicht um eine reine Balzac-Single handelt, denn beim ersten Stück ist dem Misfits am Werk, Gesang und so, nicht die Japaner! Klingt dennoch wie das Original von Balzac, etwas wuchtiger und fetter im Sound, aber ansonsten völlig unnötig, daß man das Stück nochmal aufgenommen hat. Ja, Balzac haben sowieso Misfits-Stücke in ihrem Set und nehmen sich zwei der neueren Songs, nämlich „The Haunting“ und „Don’t open til doomsday“ in einem Medley zur Brust. Klingt dann auch so, wie man es erwartet, wenn Japaner Karaoke singen, ohne wirklich Englisch zu verstehen. Hingebungsvoll und echt dedicated, aber eben immer so, daß der eigentliche Sinn dabei ein wenig  auf der Strecke liegen bleibt. Erschienen ist dieses Prachtwerk parallel in Japan und in den USA, jeweils mit anderem Coverschriftzug und leicht anderem Mix (für die Sammler eben) auf dem jeweilig ansässigen Label. Ich sach mal, so unnötig wie ein drittes Ei im Sack! (Misfits Records/Diwphalanx Records)

BALZAC-TERRIFYING!-2xCD-BOX
HUI, das sieht mal edel aus! Zwei CD’s in einer nobel aufgemachten kleinen Box (innen wie außen vollfarbig bedruckt), zwei CD’s in separaten Papphüllen, Booklet und Flyerschnickschnack. Fein und natürlich nicht ganz billig, weil ja zwei Silberlinge drin sind, die einmal 42 Minuten und einmal 24 Minuten gehen. ... „Ääääh, Moment!“ Aber ja doch, das HÄTTE auf eine CD gepaßt, noch lockerer, wenn man die Songs abzieht, die wie bei allen anderen Balzac-Veröffentlichungen davor auch, schon auf anderen Tonträgern in etwas unterschiedlichen Aufnahmen bereits veröffentlicht wurden. Schwammdrüberblues gesummt und zur Strafe einen Baum adoptiert! Vielleicht soll so der Eindruck geschaffen werden, daß diese Box ursprünglich als zwei verschiedene Alben hätte erscheinen sollen, was mit 24 Minuten ja auch der durchschnittlichen Spieldauer der bisherigen Alben entspricht. Musik!!! Balzac treten optisch wie der Japannachbau der Misfits auf, sehen schmächtiger aber stylisher aus und sind in Japan wohl auch eine der Großverdienerbands. Textlich gibt es viel japanenglischen Kauderwelsch, der alles mögliche bedeuten kann – ich kann’s jedenfalls nicht lesen – titeltechnisch das altbewährte Horrorszenario mit den üblichen Filmtitelzitaten, die auch schon mal neueren Datums sein können. Musikalisch aber sind Balzac weitaus vielfältiger als die amerikanischen Vorbilder und zaubern auch mal einen Song aus der Hüfte, der auch einer Band wie Rob Zombie oder den Nine Inch Nails nahe kommt. Auf der anderen Seite stehen die klassischen Misfits-Backingvocalchöre, die sich teilweise mit Fat Wreck-Sound mischen. Alles irgendwo, irgendwie schon einmal gehört, aber wenigstens nicht in dieser Mischung, bei der Du nacheinander durch einen executeartigen Misfitssmasher, nen fatwreckigen Misfitssmasher, Remix eines misfitsartigen Smashers, einen Nine Inch Nails-Song und anschließend wieder durch einen japanohardcorigen Misfitssmasher gejagt wirst. Klingt fast wie ein Sampler und ist soundtechnisch absolut Top on state of the art! Yeah, Balzac sind derzeit die besten Misfits-Lookalikes und in der Schönheit dieser Box auch noch jeden Yen wert! Auch bemerkenswert: Bei den Credits sind die Haarstylisten extra aufgeführt. Auf alle Fälle besser hier angelegt, als sich eine Telekom-Aktie zu kaufen! (DIWPHALANX)

PANDEMONIUM-SEX, DRUGS, STOCKS-2xCD
Wer in den Jahren 1981-1986 irgendwo in Europa in die aufkeimende Hardcoreszene involviert war, sei es als Fanzinemacher, Kleinvertrieb, Konzertveranstalter oder als Tapetrader, der stieß früher oder später zwangsläufig auch auf Pandemonium. Es gibt nur sehr wenige Bands, die man nennen kann, wenn es darum geht herauszufiltern, welche der unzähligen Bands wirklich die Aufbruchsstimmung lebten und musikalisch umsetzten, die damals spürbar war. Bands, die HARDCORE waren und nicht nur spielten! Bands, die man einfach sehen MUSSTE, weil sie wie das Epizentrum der aktiven Szene schienen, ohne das als eine Art Markenzeichen vor sich herzutragen. Die meisten dieser immens wichtigen Bands, die die Grundlagen für die heutige Szene erst schufen, die die Saat ausbrachten, aus denen sich ein weltweites und funktionierendes Netzwerk aus Veranstaltern, Konzertorten, Heften und Vertrieben entwickeln konnte (ohne die Früchte einzubringen) waren fast immer von relativ kurzer Lebensdauer. Und noch weniger dieser Bands waren „die ersten“! Die Ersten, die in einem frischbesetzten Haus spielten, für die ein bis dahin biederes Hippiejugendhaus mit Bastelkurs und Teerunde zum allerersten Mal zum Konzertort umfunktioniert wurde und von den fünfzig Konzertbesuchern die Hälfte anschließend anfing irgendetwas selber zu machen, sei es ein kopiertes Heft oder einen Cassettenvertrieb mit Tauschware. Die Stimmung in das Jahr 2002 zu transportieren, die damals bei solchen Konzerten spürbar war, wird sicherlich unmöglich sein. Wer zu der Zeit nicht dabei war, der kann nicht verstehen, wie viel Energie, wieviel Power in diesem krachigen Sound von Pandemonium wirklich steckte, die zu diesen wenigen Bands gehörten, die Häuser, Städte und Jugendzentren „entjungfert“ haben. Vier normalaussehende und freundliche Niederländer, die mich 1983 oder 1984 in Pforzheim mit ihrem Sound regelrecht erschlagen und mit anderen vom Deutschpunk „geheilt“ haben. Hier ging es weder vorder- noch hintergründig um Geld, Ruhm oder Ehre, das war grundehrlich, sympathisch und einfach direkt in die Fresse. Ja, so hat Hardcore in Europa ausgesehen, szeneübergreifend und szenebildend, als die Nietenkaiser noch neben den Stirnbandträgern standen. Geschichtsunterricht mit dem Vinyl-Komplettwerk von Pandemonium, dem ersten Demo und einem kurzen Livevideo nebst passender Aufmachung. Kann musikalisch heute nicht mehr töten, aber auf einer billigen Schepperanlage klingt das immer noch wie eine Blutorgie! (Coalition Records – www.coalition-records.com)

FEEDERZ-TEACHERS IN SPACE-CD
Alt aber gut! Nachdem die erste Feederz schon als CD wiederveröffentlicht wurde, liegt nun auch dieses Prunkstück us-amerikanischen Provopunks wieder als bezahlbarer Tonträger vor. Im Gegensatz zu den wirklich nihilistischen Negative Trend oder den Bands auf Erkan und Stefan Niveau wie die Mentors oder die Meatmen, hatten die Feederz eine einzigartige Mischung aus purer Lust an der Provokation, echtem Anliegen, Witz und intelligentem Vorgehen. Zudem haben sie musikalisch auch noch etwas zu bieten, etwas, das mir bei den Mentors oder den Meatmen teilweise zu kurz kam. Bösartiger Humor trifft auf guten US-Frühpunk und der Titel spricht zusammen mit dem Cover dabei schon für sich – „Teachers in Space“ ziert das Bild der explodierenden Challenger-Raumfähre. Für die Jüngeren und Desinformierten: An Bord war eine Astronautin, die vor Ihrer kurzen kometenhaften NASA-Karriere als Lehrerin gearbeitet hat! So, Witz erklärt, Joke zerstört! Sehr angenehm, die Feederz haben etwas gegen Platzverschwendung und füllen die CD mit einem einzigartigen Video eines Livegigs aus der Gilman-Street, der nicht ganz den Vorstellungen einiger Besucher entspricht und irgendwie endet, weil einige es wohl nicht lustig finden, daß die Band mit toten Tierkadavern auf die Besucher wirft. Einzigartige Band, die Tonträger seien ausdrücklich empfohlen, schon als Lesson in Sarcasm! DAS war Punk, nicht irgendwelche beknackten Stücke über Pubertätsprobleme und Chicken wie heute. (Broken Rekids – www.feederz.com)

NECROS-MAUMEE CITY MADHOUSE-DO-LP
Der dritte oder vierte Necros Boot mit allem was man „braucht“. Ich sag es ungern, aber wenn Touch & Go, die die Rechte an den Necrossachen haben, es seit über 10 Jahren nach der ersten Ankündigung einer Necros-Discographie nicht hinbekommen, etwas zusammenzubasteln, dann wundert es nicht wirklich, wenn solche Sachen wie diese hier wuchern. Die Necros waren eine der besten frühen Hardcorebands, kurz, knackig und exakt auf den Punkt (zumindest was die „Conquest for death“ LP und die zwei 7“s nebst Samplergedöns angeht). Diese Doppel-LP ist ein ziemlich häßlicher Auswurf  der ganzen Geschichte und kann in Punkto uninspirierter Aufmachung eigentlich gar nicht mehr unterboten werden. Das „Coverartwork“ besteht aus einem weißen kopierten Zettel, auf dem lediglich die Tracks und die Quelle aufgelistet sind, mehr nicht. Liebloser geht es nun wirklich nicht mehr ... was als „Complete Studio Discography“ dargestellt wird, ist um zwei Songs zu kurz (der Song der „Process of Elimination“ und die eine Seite der „Conquest for death“ 7“ fehlen, beide sind zwar auch auf der LP, aber anders abgemischt), dafür gibt es die überflüssige und metallastige „Tangled up“, die nun wirklich niemand braucht und einen kompletten Livegig, der qualitativ wenigstens richtig gut ist. Wäre schön, wenn man den aus Platzgründen nicht stückchenweise zusammengeschnitten hätte, was an manchen Stellen etwas aufstößt. Für den „Fan“ stellt sich schon die Frage, ob er die Platte wegen des Livegigs, der genau eine Seite füllt, unbedingt braucht. Mir erschließt sich der Sinn dieser Scheiben auch nicht ganz. Warum keine Doppel-EP mit diesem Gig und den paar „Early Days“-Tracks, statt eine Doppel-LP für schweineteuer mit ohne Cover und Löchern im Komplettwerk? Ich befürchte nur, daß in dieser Hinsicht noch wesentlich mehr unsinnige Bootlegs auftauchen werden.

GG ALLIN-VIOLENT BEATINGS-CD
Irgendwie nimmt das Ausschlachten kein Ende beim alten GG. Vielleicht holen ein paar Weggefährten auch nur das nach, was an ihnen vorbei durch die Adern von GG gepumpt wurde, oder halten sich posthum schadlos. Das hier war auf alle Fälle eine der schlechteren 7“s, die mit ein paar Aufnahmen aus den Suicide Sessions auf halbe CD-Länge gepumpt wurde. Ursprünglich war das hier die „Watch me kill“ EP (GG und Speichellecker Mark Sheehan mit ein paar Namenlosen), die man einmal gespielt und dann in den Schrank gestellt hat. Was wohl aus Mark Sheehan geworden ist? Der Typ war einen Weile lang nervig präsent und dann, flutsch, weg von der Bildfläche. Ein selten untalentierter Typ mit unvergessenem Mittelscheitel, der den musikalischen Tiefpunkt von GG‘s Musikerkarriere mitsamt den ziemlich unhörbaren Platten markiert. Ja richtig, alle Platten, die GG mit Sheehan gemacht hat, sind einfach grottenschlecht. Sei’s drum, hier gibt es krachige Übungsraumaufnahmen, die eigentlich auf keine CD gehören, lediglich einen Teil der Suicide-Sessions (2nd Takes oder „No room“ fehlen ganz) und eine informative ehrfürchtige Aufmachung, die an plumpe Leichenschänderei grenzt. Ausschließlich für GG Fans, die sonst schon alles haben und ihr Geld stapeln müssen, weil sie sonst nichts mehr brauchen. (ACME)

CRADLE OF FILTH-LOVECRAFT & WITCH HEARTS-2xCD
Das Music For Nations Testament, das einerseits absehbar war, andererseits aber auch besser ausfällt, als man es erwarten durfte. Nachdem die Band ihren Vertrag mit MFN erfüllt hat – ja, das klingt schon fast wie Frondienstleistung, nach deren Erfüllung man aus der Sklaverei entlassen wird  – und zu neuen Ufern mit anderer Plattenfirma gesegelt ist, war es nur logisch, daß Music For Nations nochmal final ihren Gaul ausschlachten wollten. Aber zum Glück ist es keine reine „Best-Of“ geworden, die beschränkt sich lediglich auf die erste CD und ist wohltemperiert und wohlfeil ausgewählt, wenn der gewöhnliche Schmutzfan das auch alles schon zur Genüge hat. Die zweite CD ist der lohnende Teil und setzt sich aus seltenen Samplertracks, verstreuten und schweineteuren Bonusstücken der bekanntne Cradle Extravaganzaeditionen zusammen und spart eine Menge Geld, denn um dieses Material zusammenzusammeln, bedarf es schon eines kleinen Vermögens. Abgerundet wird es durch ein dickes Booklet, einem Ausfaltposter mit allen Texten und dem erwartungsgemäß bösen Artwork, das die Band neben der Musik schon auszeichnet. Zur Musik muß ich wohl nicht viel schreiben, Cradle sind eine Ausnahme unter den Heerscharen der ich-wär-so-gerne-evil-Bands, musikalisch, soundtechnisch und optisch. Man mag sie oder man mag sie nicht, dazwischen gibt es nichts und solche Bands sind nun einmal interessant. Nun das Dumme an einer Veröffentlichung wie dieser: Für die zweite CD bin ich dankbar, aber die Sachen der ersten CD habe ich alle. Dem Einsteiger wird es später ebenso gehen, denn wenn er mit dieser CD anfängt und sich infiziert, dann wird er früher oder später die erste CD ebenfalls nicht mehr brauchen. Wäre der erste Part durchgehend live, dann hätten alle was davon. (Music For Nations) 

  

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