MORRISSEY-YOU ARE THE QUARRY-CD+DVD
Eine Platte, die jeder Kritiker lieben muss, denn hier kann er wenigstens
einmal ohne zu lügen ein gutes Review verfassen, sein Gehirnlexikon
spielen lassen, Jahreszahlen präsentieren, auf die Smiths verweisen
und posthum die letzten drei Morrissey-Alben verfluchen, die er, wenn man
in den Heften von damals nachschlagen würde, seinerzeit wenigstens
„passabel“ fand. Nun, es ist die beste Morrissey-Platte seit langer, langer
Zeit, denn es ist viel Wasser am Nil gestaut worden, seit die letzte, etwas
verbitterte Platte (Maladjusted) erschienen ist. In den Jahren ohne Morrissey,
der etwas dicker, ergrauter, älter und entspannter geworden ist, gab
es in der Musikwelt grobe Veränderungen, neue Bands, wenig wirklich
Aufregendes und kaum Weltbewegendes. Da tut es gut, wenn ein altbekannter
Ex-Sänger der Smiths wieder auftaucht und zur Abwechslung einmal handzahm
der Presse Rede und Antwort steht. Bleibt die Frage, ob das nicht auch
einer der Gründe ist, warum die Musikjournalisten so kollektiv auf
diese Platte abspritzen. Versteckter Konservatismus, Freude darüber,
dass derjenige, der ihnen früher nicht einmal die Hand gegeben hätte,
heute zum Tee einlädt oder die Angst, mit der Entwicklung nicht mehr
Schritt halten zu können?! Was auch immer! Nicht, dass wir uns falsch
verstehen, „You are the quarry“ ist eine gute Platte, relaxt, böse
und einem Morrissey würdig, aber es ist keine weltbewegende Platte.
Morrissey erfindet das Rad nicht neu, bringt Altgewohntes, Bewährtes,
eine Menge echter Hits („Irish blood“, „First of the gang to die“, „I have
forgiven Jesus“ und viele mehr), aber auch echte Füller, wie das merkwürdige
„I’m not sorry“, bei dem Steven sich wie bei der ersten Probe zu diesem
Song unsicher durch das Stück tastet. Neue Freunde wird Morrissey
mit „Quarry“ kaum finden. Wer in Frage kommt, den hat Morrissey sowieso
schon gepackt oder von den Smiths mitgenommen. Aber gut, die CD oder auch
das Vinyl lohnt sich. Die CD+DVD-Edition hingegen ist nicht wirklich lohnend,
das Video läuft ab und an im Fernsehen, und die Foto-Galerie ist so
schnell durch, wie es eben geht, wenn nicht einmal zehn Bilder drin sind.
Dafür ist der Preis in Ordnung und nicht so gesponnen, wie bei den
meisten anderen CDs, denen ein zusätzlicher Kaufanreiz als Entschuldigung
für einen kleinen Preiswucher dient. Was sonst? Ein Teil der Band
wurde ausgetauscht, was nicht großartig auffällt, und Morrissey
hat (wieder einmal) die Plattenfirma gewechselt. Das Sublabel „Attack“
(gehört angeblich ihm) ist Sanctuary angeschlossen und hat einen Majorvertrieb.
Das macht ihn zum Kollegen von Kelly Osbourne, Accept, Ramones, Damned,
den Undertones und Slime (im Backkatalog von Noise). Auch festhalten sollte
man, dass die Maxis um die Platte herum nicht wie früher kleine Juwelen
als „B-Seiten“ haben, sondern wirkliche „B-Seiten“ sind, die den Namen
auch verdienen. (Sanctuary)
TOTENMOND-UNTER KNOCHEN-CD+DVD
Bei manchen Bands finde ich jedesmal völlig unerwartet eine neue
Platte im Laden, auf die ich mich gar nicht vorfreudetechnisch einstimmen
konnte. Bei Totenmond ist das nun schon zum dritten Mal in Folge passiert,
was daran liegen mag, dass ich die entsprechenden Ankündigungsmedien
meide und damit einer Menge Fehlkäufe entgehe. Bei TOTENMOND gab es
noch keinen einzigen Fehlkauf (na gut, „Reich in Rost“ ist nicht unbedingt
mein Favorit) und das bleibt auch mit „Unter Knochen“ so. Völlig solofreier
Hardcorepunk in bester Discharge-Manier mit viel Doom und ausklingenden
kellergestimmten Gitarren, der mangels Etikett an Metallerpublikum verkauft
wird. Lupenreineren Hardcore mit derartig szenefreien Texten und echten
Muskeln statt Steroiden gibt es doch hierzulande gar nicht mehr, aber bitte,
bitte. Euch die zutätowierten Vorstadtkinder, mir handfestes Material,
das nicht glibbert, wenn man mal richtig zupackt. Musikalisch doomiger
(manche würden mein Verständnis von „Doom“ mit „Stoner“ bezeichnen,
miraberegal) und tiefer als sonst. Man lässt sich Zeit, spannt den
Bogen und dann wird die volle Breitseite abgefeuert. Ich bleibe dabei,
das ist Punk, so rein wie ein 70%iger Klarer nur sein kann. Wer schnell
ist, der bekommt eine DVD dazu, die vier Songs in voller Länge aus
dem Ü-Raum bringt (kennen wir in professioneller Form doch von Metallica).
Bei Totenmond hat es den Vorteil, dass der Ausstoss der Nebelmaschine nicht
in den Augen beisst und man mehr als auf einem Konzert sieht. (Massacre)
CARO SNATCH-TIDAL WARNING-EP-MCD
Huiii, One-Woman-Show, die einen Mörderbass mitbringt. Vollelektronisch,
irgendwo im Land von Le Tigre, Noise, Industrial, Minimal, E-Punk, Ambient,
Visage und Drum & Bass. Wenn die Frau singt, dann erinnert mich das
am ehesten an PIL, bzw. eben John Lydon, der offenbar eine Schwester hat,
die mindestens so nörgelig daherkommt wie er oder an eine Kreuzung
aus Alison Moyet und Anne Clark. Sehr rhythmisch, sehr strange, sehr fett
und so neo-wavig, wie man nur sein kann, wenn man sich großzügig
aus der Kiste frühachtziger Legobauelemente bedient. Sicher, das kann
und wird in manchen Clubs durchaus laufen, weil tanzbar. Ich denke, dass
man hierzu entweder gut tanzen kann oder man pfeift sich einen Bob Marley-Gedächtniskolben
rein, denn breit in der Ecke rumliegen, das geht bei dieser Musik auch
ziemlich prima. (Xstatic Records – www.geocities.com/xstaticrecords)
FUCKED UP-EPICS IN MINUTES-CD
In der Vergangenheit keine Single verpasst, derer ich habhaft werden
konnte, denn die Kanadier sind eine der wenigen Ausnahmebands, die wütenden
Hardcore ganz ohne Fett und Ghetto prügeln, angepisst und so wild,
wie Hardcore mal gemeint war, bevor die Vorstadtkinder das Ganze in die
Finger bekamen, irgendwelche New Yorker sich zu Wort meldeten oder minderjährige
Arschgeigen es als Vehikel für Enthaltsamkeitspredigten missbrauchten.
Für alle (und das werden eine Menge sein), die zu doof, zu spät,
zu faul waren, sich beizeiten die Singles zuzulegen, gibt es die hier nun
komplett auf einem Silberling, plus Demo und Radiosession. Ganz in der
Tradition von Negative Approach, frühen Black Flag ... kaufen, Arschkartoffel!
(Deranged Records)
VA-GOBLET OF GORE-CD
Gibt es selten genug, einen Soundtrack (oder neudeutsch „OST“), der
nicht mit irgendwelcher Nu Metal-Pampe zugeschissen ist, also aufgemerkt.
Zum gleichnahmigen Film von Andreas Schnaas geben sich ein paar der derzeit
besten Hamburger Bands die Klinke in die Hand. Eigentlich würde das
Aufzählen des Lineups ausreichen, um eine Kaufempfehlung auszusprechen,
aber so einfach wollen wir uns das Ganze ja nicht machen. Oder doch? Na
gut: Lisa Hell Rosa, Ramonez 77, S.S.U.B. (the Band formerly known as „SS
Ultrabrutal“), Rod Gonzales, Torpedo 2000 (Moskau), 3000 Yen, Norden und
und und. Allesamt sind sie mit unveröffentlichten, neuen, raren oder
neu aufgenommenen Songs vertreten. Ist zwar der Soundtrack zu einem Splatterfilm,
könnte aber mit der Besetzung auch durchaus der dritte Teil des Hamburger
Schmuddelkinder-Samplers sein. Hochwertige Besetzung ohne einen einzigen
Ausfall, die durchweg wie locker aus dem Ärmel geschüttelt klingt,
unverkrampft und einfach gekonnt. Zartbesaitete können sich beim Film
ja die Augen zuhalten, alleine der Soundtrack lohnt sich schon! Mehr davon,
dann kaufe ich auch wieder Sampler! (Mata Hari/RODREC - www.mata-hari.de)
FRICTION-HOURS OF OPERATION-2xCD
Nicht zu verwechseln mit den Japanern, die ebenfalls eine Discographie-CD
herausgebracht haben, die aber so schwer zu bekommen ist wie Ebola auf
Island. Friction existierten von 1991 bis 1994, veröffentlichten eine
LP, ein paar Singles und mehrere Songs auf diversen Samplern, die allesamt
hier vereint werden, dazu noch ein paar Demos, fertig. Musikalisch passend
zu den Labeln, auf deren Samplern sie vertreten waren, Allied und No Idea.
Gitarrenlastiger, melodischer und unbeschwerter Hardcorepunk, zwischen
Samiam, Jawbreaker oder Nuisance. Sehr relaxt, und mit dem netten Booklet
eine runde Sache, die man gerne öfter hört. (Transparent)
POISON IDEA-PIG’S LAST STAND-CD
Längst überfälliges Rerelease, der damals idiotischerweise
übelst limitierten CD auf Sub Pop. Die Bestbesetzung von Poison Idea,
nicht die Kirmesmusikanten, die hier vor kurzer Zeit getourt sind, spielt
die besten Songs zum letzten Mal. Besser als jeder Bootleg und ein kleiner
Trost auf der Heimfahrt von einem schlechten Poison Idea-Revivalkonzert.
Die paar Töne von „Bela Lugosi’s dead“ extra als Song zu listen halte
ich immer noch für eine grandiose Frechheit. (Golf)
KYLESA-NO ENDING-MCD
Vereint die zwei jüngst erschienenen Singles auf einer Mini-CD,
ein Video gibt’s obendrauf. Nun, was gibt es zu Kylesa noch zu sagen, außer,
dass sie einigermaßen die Lücke von Nausea füllen? Passenderweise
gibt es dann auch ein Nausea-Cover hier drauf, allerdings zeigt genau diese
Coverversion auch den Klassenunterschied nur zu deutlich. Aber besser als
nix. Kylesa sind ja schließlich auch nicht Nausea. 4x Crust, mit
das Beste was es derzeit aus der Richtung gibt. Das Video ist ... ja, überflüssig.
Die Band spielt live irgendwas, dazu hat man den Ton gepackt, wird schon
passen, nur synchron ist es nicht. Immerhin sieht man die Bande jetzt mal
(wenn auch undeutlich), und so gefährlich sehen sie gar nicht aus.
Pushead-Cover, ab in den Schrank. (Prank)
CASUALTIES-ON THE FRONT LINE-CD
Aha, das wird also jetzt unter dem Etikett „Streetpunk“ verkauft. Allenthalben
hochgelobte Platte, deren überschwengliche Reviews mich neugierig
gemacht haben. Oookeeh, 2x Iros, mächtig Nieten auf den Lederjacken,
Bondagehosen, so sehen Bilderbuchpunker aus, wenn eine Fernsehproduktion
für den Tatort ein paar Straßenpunks zu besetzen hat. Der eine
hat sogar einen Normahl-Aufnäher, was ihn möglicherweise als
alten AM-Kunden outet (kann mal jemand in der Kartei nachsehen?). Die üblichen
ollen Totenköppe auf dem Cover – normalerweise schon ein KO-Kriterium
– viele bunte Bilder und eine Enhanced-CD, die ich mir natürlich als
erstes reinziehe. Es gibt eine Bildergalerie, zwei Videos und ein hübsches
Menü (wieder mit Totenköpfen). Die Videos laufen auf Briefmarken
XXL-Format ab (wer auf Internetpornos onaniert, der kann das sicher goutieren)
und die Bildergalerie hat zwar viele Bilder, aber pixelig bleibt pixelig.
Ich weiß, ich bin ein Nörgler, aber wenn da von so vielen Leuten
„Schokolade“ draufgeschrieben wird, dann will ich auch Schokolade! Musikalisch
ist das ganze Ding ein soundtechnisch hochpolierter Klon der frühen
Achtziger, deren Referenzen man von den zur Schau getragenen Klamottenbeständen
der Casualties 1:1 ablesen kann (auch wenn es nicht alle Bands auf den
Shirts gibt, leider, denn da ist nix von den Reagan Youth, den Ramones
oder Discharge zu spüren, es sei denn man lässt die späten
Langhaarmichels gelten). Es gibt die English Dogs, Attak, Exploited, GBH,
Adicts und den ganzen restlichen Kram, der früher von einigen Punks
liebevoll als die Bande der „Inselaffen“ tituliert wurde. Ich verstehe
solche Bands wie die Casualties nicht, kompletter Retro, 22 Jahre zurück
in die Zukunft und dann die ganze Palette an Kackbands rausgepickt, die
immer nahe am Schunkelpunk vorbeigeschrammt sind, um sich heute alt, fett
und aufgequollen auf irgendwelchen Holidays-Festivals als „Kult“ abfeiern
zu lassen. Anstatt sich die guten Bands herauszupicken, wie eben Reagan
Youth oder Crucifix, machen wir lieber einen auf Fraggles, spielen aufgeblasenes
Kasperletheater, ohne irgendetwas eigenständiges dazuzutun. Punkkarnevalsverein?
Verein zur Erhaltung frühachtziger Inselnostalgie, gesponsert von
Gard Irogel und dem Punkbandshirt Outlet-Shop „Pose-It“? Mir fällt
echt nix mehr ein, ich find diese Platte dermaßen Kacke, dass mir
wirklich das Vokabular ausgeht. (SideOneDummy)
OHL-ZURÜCK ZUR FRONT-LP
Das deutsche Pendant zu den Casualties. Zwanzig Jahre über das
Verfallsdatum hinaus, Themen von vorvorgestern und musikalisch so belangslos
wie ein Buch von Hera Lind. Dabei bemühen sich OHL redlich, nicht
mehr so flitzekackespeedmetallisch zu klingen, wie es eben klingt, wenn
die Emils mit Deutscher W, dem einzigen verbliebenen Originalmitglied,
zusammen spielen. Quasi „back to the roots“, was musikalisch eigentlich
ein Understatement ist, allerdings fehlt zum eigentlichen Glück immer
noch die schrottige Produktion, die die alten Scheiben ausgemacht hat.
Textlich tut sich weniger als nix, bereits durchgekaute Themen werden nochmal
durchgekaut, viel Pathos, viel Blabla. So zwischen Landserromatik und dem
Geschwafel, das einem Politiker aus der „politischen Mitte“ vor laufender
Kamera ständig um die Ohren hauen. 2004 sind OHL so essentiell wie
die Mainzelmännchen für das Fernsehen. (Teenage Rebel)
I WALK THE LINE-BADLANDS
Haben eine Orgel im Gepäck, spielen melodischen Midtempo-(Post)Punk
und werden alleine deswegen schon in den Topf mit den Murder City Devils
geworfen. Gut, und alle Bands, die sich auf drei Akkorde beschränken,
finden sich in der Schublade mit den Ramones wieder?! Viel fröhlicher
als die Murder City Devils, an die diese Band nur in den besten Momenten
heranreicht. Guter Start, aber nach drei Liedern verflacht die Platte etwas,
anschließend wird’s etwas dröge. Der Opener „In retrospect“
geht noch am ehesten in die MCD-Ecke und ist ein echter Hit, dann wird’s
irgendwie hippelig und „fröhlich“. Ok, ich mag Bands mit Orgel, aber
hier kann man durchaus noch etwas verbessern. Schunkelpunk ist nicht mein
Ding (Barren fields), außerdem hört sich das mehr als nur einmal
stark nach Polka an, weiß auch nicht warum. Ein wenig Clash (Stimme),
ein wenig Rock’n Roll, ein wenig von allem, aber da fehlt noch irgendwas.
Salz? Möglich. Vielleicht auch etwas Gelassenheit, Ruhe, Reife, Sonne.
Keine Ahnung, aber die Band liegt eine klitzekleine Spur neben dem Nerv,
den es zu treffen gilt. Vielleicht die nächste Platte, eine Chance
wird sie auf jeden Fall bekommen, denn man spürt, dass da noch Luft
ist. (Combat Rock/Boss Tuneage)
GG ALLIN-KISS ME IN THE GUTTER-LP
Hmm, bei 330 Exemplaren kann man nicht viel kaputt machen, wenn’s nicht
taugt, dann ist es wenigstens so rar, dass sich schnell ein Dummer finden
wird, der das Ganze unbedingt für Geld brauchen wird. Angeblich offiziell
veröffentlicht, die Suicide-Sessions, die GG in seiner schlechtesten
psychischen Verfassung aufgenommen hat. 1984 ist aber definitiv nicht korrekt,
die Phase mit Mark Sheehan war 5 bis 6 Jahre später, ebenso der Plan,
sich auf der Bühne das Leben zu nehmen. Übelste rohe Übungsraumaufnahmen,
die als Tape schon Jahre kursiert sind, ohne dass sich jemand an das Material
getraut hatte. Stattdessen gab es unzählige Livebootlegs aus der untersten
Evolutionsstufe und bereits bekanntes Material zum x-ten Mal. Immerhin
also etwas „Neues“, wobei ein Großteil der Songs in anderer Form
schon auf Tonträgern gelandet ist und der Rest nicht unbedingt gemusst
hätte. Die GG-Jünger werden’s kaufen, anhören wird sich
das aber kaum jemand mehr als 1x. Ich meine, dass mein Tape von der Suicide-Session
bei weitem nicht so krachig war, aber vielleicht täusche ich mich
ja auch. (Neue Ästhetik)
HEADBANGERS-SAME-7“
1978 aufgenommene EP der Bremer Band, die sich posthum damit auf einem
Vinyl-Tinträger bemerkbar macht. Nun, ohne diese EP hat sich Punkrock
auch zu den entwickelt was er heute ist, also sei die Relevanz einmal dahingestellt.
Für die Punknumismatiker sei vermerkt, dass die Headbangers die Vorläufer
von A5 und Organbank waren. Simpler Punk, wie er auch auf dem „Unser Bremen“-Sampler
zu finden ist. Eher was für Historiker, Archivare und die Verfechter
„der guten alten Zeit“. (Phonomenal)
THE GOSPEL SWINGERS-MISSISSIPPI-7“
Kellerbluessoulpunk mit Orgel und Style. Passt ganz gut zum Rest des
In the Red-Labelprogramms. Kurz und heftig, genau dafür wurden Singles
erfunden! Produziert übrigens von Tim Kerr, was für den Laien
absolut keine Bedeutung haben wird, aber für den Eingeweihten. Tim
Kerr macht nur, auf was er wirklich Lust hat, und er macht grundsätzlich
keinen Scheiß! Aufgepasst, denn hier könnte noch Großes
folgen. (In the red)
THE KODIAKS-WATCH MY SOUL-7“
Wilder garagiger Gospelbluestrash, roh, wild, ungehobelt und mit einem
Tempo vorgetragen, dass es richtig Spaß macht. Instant-Winner, der
die Bluesvariante der frühen Mummies sein könnte. Kommen aus
Austin, Texas, wo die Big Boys ihr Unwesen trieben. Von denen hat sich
dann auch Tim Kerr an die Regler gesetzt, was für Kenner schon die
komplette Kaufempfehlung ist. Definitiv heißer Stoff, der so zeitlos
ist, dass sich diese Platte ohne Datumsangabe zeitlich beim besten Willen
nicht einordnen ließe. Sehr coole Scheibe!!! (Yakisakana – www.yakisakana.tk)
DRUGSTOP-MACHINE GUN-7“
Hui, Hochgeschwindigkeitshardcoretrashrocknrollpunk der besseren Sorte.
Klingt manchmal ein wenig wie angepisste Bands aus den frühen Achtzigern
und den Staaten, ist aber aus diesem Jahr und aus dem alten Germany. Fix
runtergespulte Songs mit rasanten Schnörkeln und wenig Zeit für
Feinheiten. Gefällt und spült gut durch. Den Hippriests nicht
ganz unähnlich! Scheint ultralimitiert zu sein, ist mir aber egal,
ich hab ja eine! (P.Trash Rec.)
GRAVES AT SEA-CIRRHOSIS-7“
Mit 45UPM klingt es wie Donald auf Black Metal. Sieht bestimmt lustig
aus, ein auf Baumficker geschminkter Donald Duck und seine drei satanistischen
Neffen, wie sie im Wald mit Äxten und Schwertern posieren. Auf der
richtigen Geschwindigkeit abgespielt, gehören Graves at the Sea zu
den 60 Tonnen Mörderschneckenbands, die alles platt walzen, ohne dabei
großartig an Fahrt aufzunehmen. Mit angezogener Handbremse gespielte
Black Sabbath-Riffs, Röchelgesang, doomig, fies und tonnenschwer.
Floor und Sleep fallen mir da auf Anhieb ein, wer regelmäßig
THC-Musik konsumiert, der wird da noch einige Bands mehr im Kopf haben,
manch einer wird sich vielleicht sogar an die Namen dieser Bands erinnern,
kommt ganz darauf an. Wie die meisten Southern Lord-Bands etwas Besonderes!
(Southern Lord)
THE YELLOW PRESS-DEAD MAN’S SHOES-7“
Klingt ziemlich exakt wie Les Savy Fav ohne das Keyboard (obwohl hier
auch eines mit von der Partie ist) und etwas weniger catchy als selbige.
Das bunte Cover muss aus der bunten US-Version des Wachturm sein, eine
solche penetrante Verkitschung des Paradieses bekommen nur die Amerikaner
hin. Wer übrigens genau aufgepasst hat, dem wird die homosexuelle
Anspielung des Zeichners auf dem Frontcover nicht entgangen sein (das,
oder der Zeichner hat neben seiner Ader für Brutalokitsch bei Grzimek
und der Schwarzwaldklinik nicht aufgepasst). Die zwei Hirsche, die in friedlicher
Eintracht auf den Bruder von Arnold Schwarzenegger und seine Torte schauen,
könnten wenigstens die Hufe halten, wenn sie sich schon nicht die
Köpfe wegen einem Rehharem einschlagen wollen. Auf dem Backcover ist
übrigens der junge George Bush zu sehen, der einem Afroamerikaner
die Schönheiten des Herbstes zeigt. (Christopher’s Records)
ANNIHILATION TIME-BAD REPUTATION-7“
Wer sich nach einem Black Flag-Song benennt, der kann so verkehrt schon
mal gar nicht sein. Früher Oxnard-Hardcore trifft auf Black Flag-Splitter
und Hardrockriffs. Klingt sehr frisch diese Mixtur, auch das Thin Lizzy-Cover
kann sich sehen lassen. Gute Band, gute EP, davon könnte es mehr geben.
Neben guter Musik gibt es auch mal wieder ein Jeff Gaither-Cover. (Deadalive)
THE AVATARS-WAIT-7“
Drei Frauen und ein Bursche aus Detroit mischen hier auf der B-Seite
einen großartigen Cocktail aus Motown-Sound, Gesangsmelodien, wie
ihn die Shirelles oder die Shangri-Las fabriziert haben, mit zeitgenössischem
Detroit-Soul, der so alt ist, dass er fast schon wieder modern klingt.
Schwärzer als die Detroit Cobras, mit mehr Sexappeal und vor allem
mit eigenen Songs. Die A-Seite ist eine Punkperle, ebenfalls mit Mo-Town-Elementen
und ordentlichem Drive. Nachschlag!!! (No Fun Records – www.nofunrecords.com)
THE FATALS-SAMER-7“
4-Track EP, die so kratzig, verzerrt und trashig lärmt, dass meine
Katze nach den ersten Tönen den Raum verlässt. Aber das Tier
frisst ja auch Katzenfutter, verliert mehr Haare als ein Feuerwehrmann
aus Tschernobyl und weiß einen Pernod nicht zu schätzen, also.
Vier wütende Trasher mit Kreissägengitarre, die an Wildheit so
ziemlich alles übertreffen, was derzeit unter „Garage“ läuft.
Vom Tempo her am ehesten noch mit Henry Fiats Open Sore vergleichbar, von
der Brutalität mit aufgedrehten Mummies auf Speed. Ein echtes Schmuckstück!!!
Wow .... (Nasty Product)
STRAALJAGERS-CLEAN BOY-7“
Erinnert ohne Anlaufschwierigkeiten an ganz frühe rüde Cramps,
was ja keine schlechte Sache ist! Bleibt auch dabei, bei beiden Songs.
Gesang ähnlich wie bei „She said“ (leicht debile Aussprache, Kautabak
in den Mundwinkeln), musikalisch absolut crampstauglich, obwohl die Straaljagers
(Düsenjäger?) ein Duo sind, mit einer Frau am Schlagzeug und
einem Typ an Gesang und Gitarre. Wunderschönes handcoloriertes Cover,
handbeschriftete Etiketten, echte Handarbeit. Ich befürchte, dass
diese Single sauschwer zu kriegen sein wird, aber die Mühe lohnt sich
wirklich! (www.straaljagers.nl)
METAL URBAIN-ANARCHY IN PARIS-CD
Discographie der französischen Elektropunk-Pioniere, die mit zwei
Gitarren, Synthesizer und einer Beatbox einen Sound fabrizierten, wie ihn
manch eine Band mit viel Müe heute noch nicht hinbekommt. Lief früher
mühelos unter Punk und tut das heute noch, so wie Suicide für
mich immer noch Punk sind und nichts Anderes! Nette Linernotes, alle zwischen
1977 und 1978 auf Vinyl veröffentlichten Stücke, eine runde
Packung, zumal die Musik von Metal Urbain wegweisend und nahezu zeitlos
ist. Heute wo Elektropunk hochmodern und brandaktuell ist, fällt es
nicht schwer, das meiste Zeug als flachen Mist abzutun, weil Metal Urbain
neben der Msuik auch noch radikale Texte hatten und das E-Punk-Feld bereits
vor 27 Jahren gründlich bestellt haben. Die CD ist also geradezu perfekt
zum rumklugscheißen. Blöderweise gibt es eine weitere Doppel-CD,
auf der das ganze Material nochmal verbraten wurde und dazu auch noch neue
Remixe alter Songs, sowie die Versionen, die anlässlich der New Rose/Fan
Club Doppel-LP Mitte der Achtziger verbrochen wurden. Im Zweifelsfall würde
ich die Doppel-CD vorziehen! (Seventeen)
COACH WHIPS-BANGERS VS FUCKERS-LP
Stakkato-Garagenpunktrash mit ordentlich Wucht und Drive, verzerrter
Gesang, alles ziemlich laut vorgetragen. Klingt irgendwie vertraut und
austauschbar, weil derzeit tausendfach angesagt und möglicherweise
schon 100x gehört. Immerhin sind die Coach Whips weit wilder als die
meisten ihrer Kollegen, lassen sich nicht einmal durchhängen und haben
einen höheren Wiedererkennungswert als das Gros der Konkurrenz. Wer
also aus dieser Ecke noch nicht den Schrank voll hat und Nachschlag will,
der sollte die Coach Whips ruhig mal antesten, gut sind sie allemal. (Narnack
Records)
DUESENJAEGER-LAS PALMAS O.K.-LP
Wetten, es gibt kein einziges Review zu dieser Platte, in dem nicht
wenigstens zwei dieser Bands namengedroppt werden: Boxhamsters, Turboostaat,
Muff Potter, Oma Hans, Dackelblut, Schneller Autos Organisation, Angeschissen
oder seit neuestem auch Trend. Und das ist auch gut so, denn das ist ein
und dieselbe Liga! Sehr, sehr genial, mehr muss ich wohl nicht sagen. Für
alle Digitalfaschisten (Leute ohne Plattenspieler) wird es die Platte auch
als CD geben, dann aber wohl nicht mit einem so schönen Coverartwork!
TEN VOLT SHOCK-SAME-LP
Wurde auch langsam mal Zeit. Zeitraffermusik, zu der als Video der
Blitzbau einer Termitensiedlung oder das Entbeinen eines Kadavers durch
Waldameisen ideal wäre. Psychotische Musik, die der Gitarre immer
ein wenig hinterherzurennen scheint, ohne sie jemals einzuholen. Im Gegensatz
zu Party Diktator, die in dieselbe Kerbe gehauen haben, funktionieren Ten
Volt Shock auch auf Platte vorzüglich. Ten Volt Shock sind Chung minus
verzerrtem Gesang und ohne Elektronik. Wunderbares stimmiges Coverartwork,
das den Namen verdient. Weitere Dinge, die ich zu dieser Platte gerne sehen
würde: Ausdruckstanz im vollen Rhythmus, frühe Chaplin Filme
und manipulierte Schneckenrennen. Wild!!! (X-Mist/Christopher’s Records)
VA-MECHANIZED DEATH-AN ACCÜSED TRIBUTE-2x7“
War auch schon lange überfällig, schließlich hat man
ja die meisten Bands mit Tributes schon durch. Nun sind die Kings of Splattercore
dran, bekommen Huldigung von zig Bands, die keine Sau kennt auf zwei Singles.
Sieht schnieke aus, fühlt sich gut an und macht eigentlich nur Lust
auf eines, nämlich die „Martha Splatterhead“ wieder rauszukramen und
die richtigen Accüsed auf voller Lautstärke anzuhören ...
und genau das mach‘ ich jetzt auch. (Transparent)
DDS/DER PILZ-SPLIT-LP
Ahem, da gab es eine Zeit, in der die unschuldige Kassette als Medium
gerade richtig kam, um die ersten Schraubversuche an einem der alten Monstersynthesizer
tontechnisch festzuhalten. Ein wenig an den Knöpfen gedreht, zweite
Spur drüber, fertig. Oder mit dem Kindercassettenrecorder alles aufgenommen,
was die Küche an Instrumenten hergab. Manchmal haben es solche Aufnahmen
sogar auf Platte geschafft, die erste Xao Seffcheque zum Besipiel. Schön
für einen selbst, aber für andere nicht immer unbedingt sehr
aufschlussreich oder gar genießbar. Minimalkrach aus dem Kinderzimmer
oder von den Schulprojektwochen, als das Knöpfedrehen an einem Korg
noch als vollwertiges Projekt galt. Erreicht für mich nicht die Klasse
der anderen Releases von WSDP? Da hilft es auch nicht, auf die Verwandtschaft
zu Rudolf’s Rache hinzuweisen, denn dazwischen liegen ganze Galaxien. Erste
elektronische Gehversuche von „Der Dritte Schritt“ und bei „Der Pilz“ hat
man mit allem Krach gemacht, was im Haus so herumlag. Immerhin bleibt das
Label unberechenbar und erfüllt mit keinem einzigen Release gehegte
Erwartungshaltungen. (Was soll das? Schallplatten)
ABWÄRTS-TERROR BEAT-7“
Es gibt nur sehr wenige bedeutende Bands, die sich auflösen, deren
Lücke nicht von anderen Bands gefüllt wird oder bei denen wenigstens
versucht wird, diesen freigewordenen Platz einzunehmen. Manchmal kommen
solche Bands wieder und es ist als ob sie nie weggewesen wären, obwohl
Jahre vergangen sind. Ministry sind so ein Beispiel und eben Abwärts.
Selbstverständlich wieder ein anderes Label (gibt’s die ganzen Label
überhaupt noch, auf denen Abwärts schon waren?), diesmal ist
es Weird System, die sich darüber sicher gefreut haben, dass Frank
Z – Berufszyniker und Jongleur fieser Wortkombinationen – doch wieder seinen
runzeligen Arsch hochbekommen hat, um sich eine neue Mannschaft für
Abwärts zu suchen. Klingt besser als die letzte neun Jahre alte „V8“
und da die Metallsplitter fehlen, tippe ich darauf, dass Elf nicht mehr
mit von der Partie ist. Dampfwalzensound, der klingt wie gedrosselte Ministry,
bis auf das letzte Akustik-Stück, das auch auf der letzten Frank Z-Platte
hätte sein können, die meiner Ansicht nach übrigens etwas
fehlbewertet wurde. Wie auch immer, der Mann hat nichts verlernt, er ist
immer noch der angepisste Berufszyniker, der er war und er hat offensichtlich
keine Lust darauf, im Bett zu sterben. einzigartige Texte macht er jedenfalls
immer noch! Die rote 4-Song EP ist ein Vorgeschmack auf die im September
erscheinende LP und macht richtig Appetit! Nach 1000 Stück ist Schicht,
also zupacken, solange es noch heiß ist. (Weird System)
TREND-GOTT HAT KEINE FLUGZEUGE-7“
Auf der Rückseite gibt es „Keine Zeit“ und damit zwei neue Knaller
aus dem Hause Trend, die live bereits ihre Ohrwumqualitäten unter
Beweis gestellt haben. Kaufen oder blöd sterben, denn Trend gehören
absolut zu den besten Bands, die man sich derzeit für Geld ansehen
und anhören kann. Einen Wunsch hätte ich allerdings: Gebt den
Jungs mal ein richtiges Studio, damit es Live nicht wieder besser als auf
Platte klingt. (Plastic Bomb Records)
BOY DIVISION-ONE WEEK WITH ...7“
Grandiose Idee, eine Single mit (Cover)-Songs zu machen, bei
der jedes Stück einen Wochentag abdeckt. Und so kommen u.a. New Order,
Morrissey, die Rolling Stones, Black Flag zu denkwürdigen Ehren. Selbstverständlich
werden sämtliche Stücke in den tiefen Keller gezerrt, verhackstückt
und brutalst umgekrempelt. Chices Artwork, das wie ein Kalender aussieht.
Irgendwie so schön gemacht, dass man es haben sollte, selbst wenn
einem die Musik nicht gefallen sollte. Für mich passt hier einfach
alles! (Fidel Bastro – www.fidel-bastro.de)
INTERPOL-TURN ON THE BRIGHT LIGHTS-CD
So, das Beste zum Schluss. Alle vorhergehenden Platten in diesem Monat
wurden durch eine einzige zwei Jahre alte Scheibe um mehr als 1000000 Lichtjahre
geschlagen, nämlich diese hier. Ein New Yorker Quartett, das im ganzen
Hype um die Strokes oder Franz Ferdinand einfach untergegangen ist. Die
Jungs klingen so britisch, wie ihre Wurzeln und wären auf der Insel
DAS große Ding der ganzen Jubelpresse, die keinen Artikel an Franz
Ferdinand verschwendet hätten, wenn diese Herren hier aus Manchester,
Liverpool oder London kämen. Tun sie aber nicht, deswegen liebt nun
jeder die Franzens und es bleibt mehr für uns. Turn on the bright
light ist aus dem Jahre 2002, was nicht schlimm ist, denn so verkürzt
sich schon die Wartezeit auf die zweite Platte von Interpol,. die im September
erscheinen soll. Wunderbare Melodien, eine aufrichtige Melancholie, die
auch bei diesem warmen Sommerwetter voll durchgreift, ein dichter Gitarrensound
und eine abwechslungsreiche Platte, wie ich sie von einer Band schon lange
nicht mehr gehört habe. Wenn ich sage, dass diese Scheibe nach den
ersten 30 Sekunden bereits gewonnen hatte, dann können das wahrscheinlich
nur die älteren Semester nachvollziehen, die sich an das Zelebrieren
eines Plattenauflegeerlebnisses noch erinnern können. Das fing mit
dem zufälligen Hören eines Stückes im Radio (oder sonstwo)
an, ging in die Enttäuschung über, weil der Plattenhändler
des Vertrauens die Scheibe natürlich nicht hatte (was ok war, weil
man so noch etwas Zeit bekam, um sich sein Taschengeld zusammenzusparen),
setzte sich mit der Wartezeit fort, bis die bestellte Platte im Laden endlich
ankam, wurde weitergeführt mit dem vorsichtigen Transport nach Hause
und endete vor dem Plattenspieler, dessen Nadel ganz behutsam auf die Scheibe
aufgesetzt wurde. Selbstverständlich musste man noch warten, bis die
Erziehungsberechtigten weg waren, damit man die Platte auf voller Lautstärke
hören konnte, was den Kitzel noch einmal zusätzlich erhöhte.
Dann saß man da, vor der sündhaft teuren HiFi-Anlage (die damals
noch mindestens zwei komplette Monatsgehälter der Eltern wert war)
und las sich aufmerksam die Texte durch, während sich die Platte in
erhabener Größe entfaltete. Instinktiv wusste man nach den ersten
Sekunden, dem zweiten Riff „das ist es“! So enstanden Lieblingsplatten
für’s Leben. „Turn on the bright lights“ ist so eine Platte, mit der
ich diese Tortur gerne durchlebt hätte, aber der Laden hatte sie,
ich muss mir mein Geld nicht mehr zusammensparen, die CD ist transportunempfindlich
und ich kann Musik seit langer Zeit so laut hören wie ich mag, außerdem
kosten HiFi-Anlagen heute nur noch einen Bruchteil dessen, was man früher
für einen fünf Kilo schweren Kopfhörer ausgeben mußte.
Nimm das Beste von den frühen Joy Division (als sie noch Warsaw hießen),
den frühen New Order (als sie noch Joy Division-Stücke spielten),
ein wenig Smiths, Morrissey, frühen New Yorker New Wave-Sound, junge
Cure, ein grandioses Gespür für große Melodien und Ohrwurmrefrains,
dann kommst Du in etwa in die Nähe dieser grandiosen Platte. Einige
Stellen und Songs schaffen es auch nach dem fünfzigsten Hören
noch (und so oft habe ich sie in den letzten vier Wochen in der Tat gehört),
mir die Haare im Nacken aufzurichten. So abwechslungsreich, so spannend,
so tief und doch so dicht habe ich lange Zeit keine Band mehr aus dieser
Sparte gehört. Interpol kam der ersten Begegnung mit Joy Division
verdammt nahe, und das will etwas heißen! Das Beste, was Du Dir hier
aus dieser Richtung kaufen kannst!!! Definitiv!!! (Labels/Virgin) |