MULETRAIN-THE ANSAR E.P.-7”
Hammersingle einer der unterbewertetsten Bands überhaupt. Wenn
ich dran denke, wie wenige Leute diese Band beim letzten Mal sehen wollten,
dann muss ich nicht lange nachdenken, ob Geschmack eine weit verbreitete
Eigenschaft ist. Vier Songs, vier Hits, in atemberaubendem Tempo heruntergespulte
Killer, die einer „Ass Cobra“ zur Ehre gereichen. Die Jungs schaffen es
sogar, dass die Discharge-Coverversion das Original um Längen abhängt.
Wer das Ultravox-Original unter dem Rock’n’Roll-Feger erkennt, ohne nachzusehen,
darf heute mal den Sport auslassen, und wer auf Deathpunk abfährt,
der wird mit diesem Scheibchen definitiv seine helle Freude haben. Scheiß
auf Lalalakinderpunk, das hier ist der richtige Stoff!!! (Beat Generation
| munster-records.com)
MÖNSTER-OUT OF LUCK-7”
Die gut geölte Dampframme Mönster schlägt vier breite
Schneisen ins Gehölz. Ein guter Zeitpunkt, um mal wieder das alles
entscheidende Stichwort fallen zu lassen, das da lautet: „mächtig“!!!
Satter Sound, mit ordentlichen Bässen und dem mehr, das Kinder von
Erwachsenen unterscheidet. Die Rucksackträger und Muttersöhnchen
könnten sich hier ein neues Feindbild suchen, denn „Fuck those straight
edge kids“ ist unmissverständlich. Den Barsong am Ende übergehen
wir einfach, der müsste nicht zwingend auf einer Mönster-Platte
sein. (unsociable.net / sabotagerecords.net)
NO AGE-ERASER-7”
Grandiose Bandbreite, die hier mit nur vier Stücken abgedeckt
wird. Minimalpunk mit voll aufgedrehten Verzerrern, ein Gesang, der 1977
auf frühen Singles zu finden war, Garage, und ein Titeltrack, der
erst kurz vor der Hälfte wirklich loslegt. Klingt zerfahren, ist aber
völlig großartig, denn mit den drei Coverversionen der B-Seite
decken sie den musikalischen Bandhorizont ziemlich genau ab (Urinals +
Irgendwer + Nerves), geben bei allem aber noch eine Schippe drauf. Die
gelb bedruckte Innenhülle des geklebten Kartoncovers hat was (SUB
POP)
BLACK TIME-HATE SONGS FOR THE BLITZKRIEG BOPPERS-7”
Eine Band kurz vor dem Wahnsinn, zwischen zelebriertem Dilletantismus,
Zerstörungswut und dem festen Willen, aus den auseinanderfallenden
Einzelteilen doch noch so etwas wie einen Song zu bauen. Extrem übersteuerte,
kantige Gitarrenriffs, die mit klassischen Songstrukturen kaum noch etwas
gemein haben auf der einen, Garagenkracher, wie sie auch aus der Feder
der Fatals stammen könnten, auf der anderen Seite. Zwischen John Spencer
Blues Explosion und ein paar der bekannteren Tiefgaragenfranzosen, die
an mancher Stelle gerade noch die Kurve kriegen. Ziemlich cool! (haterecords.com)
LIVE FAST DIE-BUZZ BUZZ BUZZARD-7“
Ha, dafür hätte ein junger GG Allin getötet, wenn seine
Band einen dermaßen fetten Buzzersound (!) hinbekommen hätte.
Die Gitarre klingt original so, wie sich ein Elektroschocker am Ohr anfühlt.
Dazu diese kleine Kinderorgel, entzückend! Ähnlich angenehm wie
das Urinieren auf einen Kuhweidenzaun. Auf der B-Seite gibt es zu diesem
Sound auch noch einen gehörigen Tritt aufs Gaspedal, wobei die Gitarre
hier schon fast den Sound eines Elektromotors imitiert und weniger den
eines Saiteninstruments (Knopfdruck: brrrrrmmmm). Fettes Gebrazze, zwischen
den Fatals ohne Höhen, einem ganz jungen GG Allin mit den Scumfucks
und noch Haaren auf dem Kopf. Einen tieferen Sinn wird man hinter Stücken
wie „(He’s got) pecker breath“ wohl kaum finden, aber dafür macht
es verdammt viel Spaß. Killer!!! (Goodbye Boozy)
BILLY BAO-DIALECTICS OF SHIT-LP
Eine echte Herausforderung, die harmoniebedürftigen Menschen in
etwa so viel Freude bereiten wird wie eine Wurzelbehandlung. Wer es gerne
extrem mag, seine Nachbarn nicht leiden kann oder noch am Überlegen
ist, ob es mit dem Wahnsinn klappt, der kann hier zugreifen. Pendelt zwischen
Flipper, primitiven Antiseen, Drunks with Guns auf schweren Drogen, Pissed
Jeans (ohne deren Songstrukturen), den Brainbombs purer Bosheit und Irrsinn
mehr oder weniger munter hin und her, stets das Ziel vor Augen, Dir so
gut es eben geht auf die Nerven zu fallen. Muss zugeben, dass es sogar
mich fordert, denn sie machen ihre Sache wirklich gut. Inmitten von erkennbaren,
wenn auch primitiven Songstrukturen, schlägt einfach eine Bombe oder
ein fieses Rauschen ein, das alles zerhackt oder wie ein dichter Teppich
zudeckt. Beim Mastering wurde offenbar besonders Wert darauf gelegt,
dass die Lautstärken der einzelnen Stücke extrem unterschiedlich
ausfallen, so dass man instinktiv erst einmal lauter macht, bis einem die
Boxen um die Ohren fliegen. Vielen Dank aber auch! Wenn’s dann mal tatsächlich
wie ein richtiger Song klingt, kommt aus dem Nichts die Keule. Harter,
wirklich harter Stoff, auf dem ein unsichtbarer Sticker prangt: Garantiert
harmonie- und melodiefrei! (Parts Unknown)
BOHREN UND DER CLUB OF GORE-DOLORES-CD/2xLP
Eine vergleichsweise “fröhliche” Platte lassen Bohren hier vom
Stapel, begleitet von einem der längsten Pressetexte ever, die den
durchschnittlichen Musikredakteur vor unlösbare Probleme stellen wird,
weil er hier Informationen herausfiltern oder (huch) die Scheibe selber
anhören müsste (so kann ich nicht arbeiten!). Bohren haben einen
Fehler gemacht und sich mit der „Sunset Mission“ den geeigneten Titel für
diese Scheibe geklaut. Dolores ist entspannt ruhige, lähmend langsame
Dämmerungsmusik, die dann passt, wenn man nach einer langen Nachtfahrt
im ersten Morgengrauen in einer menschenleeren Stadt ankommt, in der noch
alle schlafen. Jeder Ton hat seinen Platz, den er voll und ganz auskostet
als gäbe es kein morgen. Perfekt auch, um nach einer durchgemachten
Nacht einen kleinen Cocktail zu mixen, mit dem man auf dem Dach die ersten
Vorboten der Sonnenstrahlen abwartet, zufrieden und eins mit der Welt.
Seltsam, mit wie wenig Änderungen aus Tiefschwarz Helligkeit entsteht.
Ich weiß nur zu gut, dass einigen bei Bohren zu wenig passiert, der
fehlende Gesang, das “Tempo“ (welches Tempo?), aber dafür gibt es
anderswo genügend „Action“. Geht einfach und lasst uns in Ruhe. Wie
immer eine wohltuende Insel in einem viel zu schnelllebigen und hektischen
Jahrtausend, jenseits des normalen Zeitgefüges. Erhaben und einfach
nur schön! (piasrecordings.com)
INDIAN JEWELRY-FAKE AND CHEAP-LP
Fängt an wie „Bela Lugosi’s dead“, bei dem man einen Ton vergessen,
aber dafür jede Menge komische Pilze zum Mittag hatte. Am ehesten
erinnern diese Texaner an eine straighte Version von frühen Jesus
& Mary Chain, denen man die Feedbacks und den Bubblegumfaktor verboten
hat. Leicht nölig, gefühlt langhaarig, aber mit schweren Lederjacken
und verdammt viel Coolness. Klassisch kaputter Shoegazersound mit Tiefgang
trifft auf die späten 60er mit frühen Bauhaus. Zusammen ergibt
das einen Sound, der einfach zuviel Klasse hat, um als Hippiemusik missverstanden
zu werden, was mit einem Instrument wie einer Sitar wirklich schwer fällt.
Soweit so gut, bis hier zehn Punkte, nur kommt dann die B-Seite mit Hippieindustrialambientsongs,
die nicht mehr auf diesem Planeten stattfinden. Spacecakes treffen auf
eine Fressattacke nach einen viel zu großen Bong. Live könnte
das eine dieser Bands sein, bei denen man sich komplett verliert, sofern
sie nur die erste Seite spielen. Entscheidet euch ... (deletedart.org)
TREND-VIER-CD
Hier müsste man eigentlich EA 80 zitieren und die Leute, die eine
Weiterentwicklung vermissen, irgendwohin wünschen, am Besten zum Lidl.
Anders formuliert: fast alle Stücke hätten auch durchaus auf
den letzten beiden Langspielern stattfinden können, und das sind undiskutierbar
großartige Platten, wie eben auch „Vier“. Den ewigen Nörglern
wird trotzdem schon etwas einfallen, was sie auszusetzen haben: Stillstand,
Reproduktion, was auch immer. Wer aber genau hinhört, wird entdecken,
dass eine Weiterentwicklung stattgefunden hat, die sich unter anderem in
einem Gitarrensound äußert, der auch von den Editors kommen
könnte. Große raumgreifende Soundteppiche treffen auf die wahrscheinlich
präzisesten Textfetzen, die es seit 1980 mit einer Platte aus Düsseldorf
gegeben hat. Es gibt weiblichen Chorgesang, selbst das Schlagzeug fällt
virtuoser aus, also halten wir fest: Progress ohne eine Neuerfindung! Wozu
auch? Wer bei „Freundliches Feuer“ nicht an einen „Kalten Mammut“ denkt,
der hat es nicht verdient, eine warme Mahlzeit zu bekommen! Es gibt kaum
eine Band, die SO klar formulierte Texte hat, deren Refrains sich derart
schnell festsetzen, aber trotzdem nicht als platte Slogans taugen. Wortspiele
um den Plattentitel lassen wir andere spielen. Alle Achtung, ein extrem
dichtes Werk an Demnächst-Klassikern mit ohne Lückenfüllern!!!
(Sounds of Subterrania)
SYPHILITIC VAGINAS-SAME-MLP+COMPLETE STUDIO RECORDINGS-CD
Eine Band, von der in Japan kein Schwein etwas gehört hat, die
so klingt als hätten GISM nach der 1. LP ein bisschen weniger Industrialnoise
von Sakevi verschrieben bekommen, deren Platten nur auf amerikanischen
Labeln erschienen sind, mit einem Logo, das deutliche Parallelen zu dem
von Spinal Tap aufweist. Könnte tatsächlich auch nur ein einzelner
Typ sein, der gekonnt irgendwo im Keller seinem Japan-GISM-Fetisch huldigt.
Für Freunde der Stimme von Herrn Sakevi Yokoyama und dem Gitarrensound
von Randy Uchida sind die syphilitischen Vaginen ausdrücklich empfohlen,
die sich sicher nicht umsonst nach einem Song von GISM so benannt haben
dürften. Fake oder Tribut, ganz egal, genialster Retro-Japanhardcore,
der merkwürdigerweise unter Metallern als „Black Metal“ hoch gepriesen
wird. Wer alles will, der holt sich gleich die „Complete studio collection“
mit allem, was bisher von SV aufgenommen wurde, inklusive grandioser Songtitel
wie „Armageddon buttfuck“, „BBC Weapons“ oder „Hell in Hades“. Ein großartiger
Spaß!!! (Hardcore Holocaust)
ANALS, THE-COMMANDO OF LOVE-7”
Angefahrener, kaputter Schleifsound, der sich monoton mit simpelstem
Schlagzeug, Migränevocals und einigen Feedbacks durch beide Seiten
quält. Ohne eigentlichen Höhepunkt, genau das, was man bekommt,
wenn man zuviel Suicide in den Discolokosst-Auflauf kippt. Für Leute,
die gerne auch mal ihren Goldfisch auf die Boxen stellen. „Wake up you’re
dead“ gehört zu meinen Top-5 Songtiteln 2008. (Sweet Rot Records)
BOSOM DIVINE-SYSTEM DISCO-7“
Cool, endlich mal wieder eine französische Band, die nicht gleich
nach irgendeiner anderen Band von der 100x ausgelutschten Speisekarte klingt.
Die A-Seite ist ein kleiner Hit und ein Lehrstück in Sachen gut gemachter
77er-Power-Pop-Punk. Der leichte New Wave-Touch würzt die Sache zusätzlich.
Während „I’m your animal“ regiert, ist die Rückseite „Hangover“
trotz Farfisa-Orgel so schnell vergessen wie gehört. Aber die A-Seite,
alle Achtung, sehr fein. (Les Disques Steak)
HIROSHIMA ROCKS AROUND-THE MATTER OF FACTS-7”
Ui, was für ein Plombenfräser! Nicht zu empfehlen bei Kopfschmerzen,
jedenfalls nicht die A-Seite, die hinter einen kaputten zerfahrenen Psychosong
eine Breitseite hochfrequenter Töne liegen hat, die einem schon bei
einem leichtem Kater schwer zusetzt. Die B-Seite ist vergleichsweise „seichte“
Kost, wie Flipper, nur bei Sonnenschein mit etwas Tempo. Weniger dumpf
als die Drunks with guns, weniger debil und destruktiv, aber nicht minder
kaputt und zugleich herausfordernd. Dabei hätte einen schon das Cover
genügend warnen müssen, keine Angst, ist nur eine Single, die
ist irgendwann vorbei. Spaß sieht anders aus, dafür wächst
man mit solchen Platten! (s-s records)
SEDATIVES-CANNOT CALM DOWN-7”
In einer Welt, in der es gerecht zugehen würde, hätte eine
Hammer-EP wie diese nicht nur eine Auflage von 300 Exemplaren, was nur
dazu führt, dass außer einer Handvoll Glücklicher und Sammler,
die das Scheibchen wie einen Schatz horten werden, kaum jemand sonst seine
Ohren an dieses Juwel bekommen wird. Im Land zwischen den Lost Sounds und
den Hex Dispensers liegen diese fünf Songs, jeder davon ein Hit, herausstechend
dabei der Titeltrack und „Slip away“. Soundtechnisch mehr Dispensers
als LS, inklusive dem original Orgelsound aus dem Film der „Omega Mann“.
All killers no fillers!!! Ein wirklich schlaues Label lizensiert hiervon
eine Lizenzpressung und holt die Band auf Tour!!! (Going Gaga Records)
SYPHILITIC VAGINAS-BLACK MOTOR COVENANT-7”
Entweder einer der besten Fakes der letzten Jahre oder es gibt tatsächlich
jemanden, der einen Sakevi-Schrein in seiner Tokyoter Butze stehen hat.
Vier astreine Japan-Kracher, im Stile von 80% GISM, und zu gleichen Anteilen
Outo, Lip Cream, Zouo, Comes und Gauze. Hier hat sich jemand richtig Mühe
gemacht, inklusive japanischem Englisch (fuck off all one) und Gitarrensound,
bei dem nur die Qualität der Aufnahmen Rückschlüsse auf
das neue Jahrtausend zulässt. Herrlicher Spaß! (Rescued from
life records)
TERRORIZE KIDS-HISTORY REPEATS ITSELF-7”
Herrlich selbstreferentieller EP-Titel. Jedes der fünf Stücke
hätte auch auf dem Boston not LA, dem Flex your head oder dem Unsafe
at any speed sein können. „Waschechter“ frühachtziger Boston/Washington-Sound,
der schnörkellos heruntergespult wird. Im Gegensatz zu vielen anderen
erkennbaren Epigonen, die eher bemüht sind, klingen die Terrorize
Kids wie frisch aus der Tupperdose. (Search for fame records)
UNDEAD-STILL UNDEAD … AFTER ALL THESE YEARS-CD/PICTURE-LP
In minimalster Aufmachung (selbst die Picture-Version haut mich grafisch
nicht vom Toilettensitz) gibt es eine handvoll neuer Songs und ein paar
altbekannte in neuen Aufnahmeversionen. Um meinen alten Freund Preussi
zu einer anderen Platte einmal zu zitieren: „Der hat seine besten Songs
längst geschrieben.“ Besser wird es nicht wirklich, nur wesentlich
rockiger. Die halbe Scheibe besteht aus Livematerial, wobei das auch eine
Aufnahme aus einem Demostudio sein könnte, Liveatmosphäre kommt
jedenfalls nicht auf. Trotzdem sind die scheppernden Livesongs das musikalisch
bessere Material. Okay, die Liveversion von "Bullet" klingt wie mit einer
verstimmten Ukulele gespielt, und gehört zu den zehn schlechtesten
Coverversionen der letzten 27 Monate. Hmm, kann man sich kaufen, muss man
aber nicht, denn die besten Platten hat man von Bobby Steele schon längst
gehört. (Black Bird/No Balls)
DIGITAL LEATHER-SORCERER-LP/CD
Hmm, dafür, dass die Plate so verdammt lange gedauert hat, etwas
ernüchternd, was letztendlich auf dem Teller gelandet ist. Okay, die
komplette erste 7“ noch mal (wer sie nicht hat, selber schuld), ein paar
verstreute Tracks und auf der zweiten Seite ein Liveset. Nicht Keks, nicht
Schokolade, denn Stimmung will nicht so recht aufkommen, dafür sind
die Songs zu unhomogen. Entweder eine komplette Liveplatte oder eine Sammlung
der verstreuten Tracks plus ein paar unveröffentlichte Songs. Bis
jetzt die laueste Platte von Shawn, kann mir nicht helfen. Sorry, aber
wenn man neben die eigene Messlatte springt ... (Goner) |